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DIE GEDANKEN SIND FREI: KUNST DARF QUIETSCHEN!



"Ich schaffte es, weil ich nicht wusste, dass es unmöglich war!"

Jean-Pierre Melville, französischer Filmregisseur




Alphonse Mucha
Alphonse Mucha

Warum Blut auf den Saiten?


Eine Platte des Literatur-Nobelpreisträgers Bob Dylan heißt "Blood on the Tracks", was sowohl "Blut auf den Schienen" als auch "Blut auf den (Ton-) Bändern" heißen kann. Als kleine Hommage an Mister Dylan haben wir uns entschlossen, dieses Wortspiel ins Deutsche zu übertragen: "Blut auf den (Gitarren-) Saiten", aber auch: "Blut auf den (Buch-) Seiten".


"Je est un autre" - Bob Dylan zum achtzigsten


„Kommen Sie rein“, sagt er und hält die Tür auf, „aber putzen Sie Ihre Schuhe ab.“

Ist es das, was man von der „Stimme einer Generation“, dem „Einstein der Popmusik“, dem „größten Songwriter aller Zeiten“ erwarten sollte? Nein, eher nicht. Aber auch der Mann selbst, der mir dort im Windfang eines Reihenendhauses in Recklinghausen gegenübersteht, hat so gar nichts von dem an sich, was man gemeinhin mit einer Kultfigur oder einem international gefeierten Rockstar assoziieren würde. Er trägt eine locker fallende Cordhose (abgeschabt, eine Nummer zu groß), ein großkariertes Hemd (bügelfrei), Strickjacke mit Zopfmuster (60 % Polyacryl), warme Puschen (Aldi) und einen Cowboyhut von Stetson (Kostenpunkt: um die 2.000 $, erworben, laut FBI-Report, bei Hut Brömme in Erlangen).

Mit leicht hängenden Schultern schlurft er uns durch den Hausflur voran, der üppig mit Bewohnern der heimischen Fauna „tapeziert“ ist: Kraniche im Schilf, balgende Katzenkinder, röhrende Hirsche und (praktisch unvermeidlich) Dürers Hase als „hochwertiger Kunstdruck“. Oder handelt es sich um das Original? Finanziell wäre das durchaus drin, nachdem er vor wenigen Wochen erst die Rechte seiner Songs für irgendwas um die 400 Millionen $ versteigert hat.

Im Wohnzimmer erwarten uns ein gedeckter Kaffeetisch (Das gute Geschirr!), ein selbstgebackener Marmorkuchen und („Überraschung!“) die neue, der Welt bis dato unbekannte Ehefrau des Meister.

„Brigitte“, stellt er vor. „Nennt sie Angelina.“

Brigitte ist rund wie ein Fässchen Amontillado und besticht durch lilafarbene Dauerwelle und eine Kittelschütze von Louis Vuitton. Sie strahlt wie ein Honigkuchenpferd.

Bob lässt sich ächzend im Fernsehsessel aus den achtziger Jahren nieder (Jaja, der Rücken) und setzt seine legendäre Ray-Ban-Sonnenbrille auf.

„Bringen wir’s hinter uns.“

„Zunächst einmal möchten wir zum Ausdruck bringen, wie sehr wir uns freuen, Mister Dylan, dass Sie sich entschlossen haben, Ihren Lebensabend in Deutschland zu verbringen. Dürfen wir dennoch die Frage stellen, was Sie ausgerechnet nach Recklinghausen verschlagen hat? Warum nicht Düsseldorf oder Hamburg?“

Er schweigt. Vielleicht hat er die Frage nicht verstanden. Oder er ist hinter der Brille eingeschlafen. Immerhin wird er achtzig. Dann nimmt er seine neben dem Sessel bereitstehende Gitarre und zupft ein paar Akkorde.

„Ich bin hier noch nie aufgetreten“, sagt er. „Deshalb.“

„Kaffee oder Tee?“, fragt Mrs. Dylan.

„Noch nie? Wirklich?“

„Nein. Es gibt auf diesem Planeten nur zwei andere Orte, die das behaupten können.“

Er kichert in sich hinein. Schwer zu sagen, ob er das ernst meint.

„Wahnsinn. Zweifelsohne stellen sich Ihre Abermillionen Fans bereits die Frage, ob Sie nach der Pandemie Ihre Never-Ending-Tour fortsetzen werden …“

„Nein.“

„Nein?“

Er schweigt.

„Denken Sie, dass nun alles gesagt ist?“

„Ein Mann ist erfolgreich, wenn er morgens aufsteht, abends ins Bett geht und dazwischen macht, was er will.“

„Aha. Das bedeutet vermutlich, Sie kümmern sich in Zukunft nur noch um sich selbst.“

„Die Mauern des Stolzes sind hoch und breit, man kann nicht über sie hinweg auf die andere Seite sehen, Dude.“

„Das stimmt“, sage ich - und bewundere pflichtschuldigst den Pflanzgarten mit Sicht- und Windschutz hinter der Terrasse aus Waschbeton.

„Nehmen Sie doch ein Stück Kuchen“, fordert uns Brigitte auf.

„Es gibt Männer, die den Frieden nicht bewahren und Frauen, die ihre Zunge nicht kontrollieren können. Das müssen Sie sich merken!“

Der Prophet schlägt das Riff von „All Along the Watchtower“ an und bleckt die Zähne. Ich beschließe, auf den Kuchen zu verzichten und rühre ersatzweise in meiner leeren Tasse.

„Nun, mit stolzen 80 Jahren, wäre es da nicht an der Zeit für ein kleines Fazit, Meister?“

„Fang besser an zu schwimmen, Junge, sonst versinkst du wie ein Stein“, raspelt er schelmisch-vergnügt, und grinst dabei so breit, als wäre er mein Freund Harvey.

„Bob hat sich beim Seniorenschwimmen im Maritimo Sauna-Wellness-Resort in Oer-Erkenschwick angemeldet“, verkündet Brigitte und strahlt dabei, als habe sie verkündet, ihr Gatte habe den Nobelpreis für Literatur gewonnen. Was er im Übrigen hat. Die Medaille steht, direkt neben dem Oscar, auf dem Sims der Kaminattrappe, in der ein elektrisches Feuerchen bullert. Überhaupt liegt die Temperatur in der guten Stube ungefähr auf Treibhausniveau.

Dann klingelt das Telefon.

Mrs. Dylan stemmt sich hoch, watschelt zum Fernsprecher auf der Anrichte aus Nussbaumholzimitat und nimmt den Hörer ab.

„Ja, hallo? – Yes. – Yes, sure, he’s in. Some writers and critics are here. Wait a minute.“

Sie wendet sich an ihren Gatten: „Bob, a call for you from Übersee. It’s Frau Bass.“

Anstatt den Hörer zu nehmen, wendet sich der Meister an mich: „Manchmal denke ich, diese ganze Welt ist ein großer Gefängnishof. Einige sind die Gefangenen, der Rest von uns die Wärter.“

Dann, an sein Ehegespons gewandt: „Ich kenne keine Frau Bass, Honey. Wer soll das sein?“

„Joan Bass, deine Ex“, flötet Brigitte und spitzt vielsagend die Lippen. „Sie will dir zum Geburtstag gratulieren.“

„Vergiss die Toten nicht, die du zurückgelassen hast. Sie werden dir folgen, ganz bestimmt sogar. – Woher, zum Teufel, hat sie diese Nummer?“ Seine Heiligkeit schüttelt den Kopf und nimmt den Hörer.

„Blind Boy Grunt hier“, knurrt er in die Muschel. „Bist du’s, Queen Jane?“

Zeit, mich zu verdrücken.

 

Bob Dylan, Prophet, Poet, Volksverstimmer, „Shakespeare des Rock’n’Rolls“, „Einstein der Popmusik“, Gewinner des Nobelpreises für Literatur und des Academy Awards, Träger des Pulitzerpreises, Inhaber von 10 oder 11 Grammys (je nach Quellenlage) und einer der wichtigsten Künstler, nicht nur des 20. Jahrhunderts, sondern möglicherweise überhaupt, wird am 24.05.2021 80 Jahre alt. Die Chance, dass er diese Würdigung liest, tendiert gegen null. Wir stellen uns aber vor, dass sie ihn amüsieren würde.

Happy Birthday, Mister Bob.

 

PS: Einige, wenn auch nicht alle Antworten sind Werken des Meisters entnommen.


Wer bin ich?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ganze Menschenalter haben sich bei der Suche nach dem eigenen Ich die Zähne ausgebissen. Deshalb erlaube ich mir, es in dieser Hinsicht mit dem großen Rimbaud zu halten: "Je est un autre!"

Der Vorsitzende der Geschäftsführung: Herr Falstaff
Der Vorsitzende der Geschäftsführung: Herr Falstaff

Was will ich?

Mir liegt daran, mich mit Menschen auszutauschen, die wie ich die Lyrik, die Literatur, Musik, die Liebe, Kino, einen trockenen Rotwein und den Gesang der Buckelwale über den eisigen Höhen des Strafasteroiden Rura Penthe zu schätzen wissen.

                                   Der Autor: Herr Surabaya Johnny
Der Autor: Herr Surabaya Johnny

Wen will ich?

Alle, die Lust daran haben, das eigene Leben zu einem ganz besonderen Ort zu machen! Alle, die von sich selbst behaupten: "Am liebsten kehre ich dorthin zurück, wo ich zuvor noch niemals gewesen bin!"

 

Die Muse: Frau Feez
Die Muse: Frau Feez


"I've gazed into the abyss and the abyss gazed into me, and neither of us liked what we saw." Brother Theodore


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