Kritik der reinen Unvernunft - Alexander Gauland: Der kleine Obersturmbannführer

 

Da ist er wieder, der kleine Obersturmbannführer, wie der Springteufel aus der schwarz-rot-braunen Box: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, sagte Alexander Gauland, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD, laut der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Nur für diejenigen unter uns, die der Leidenschaft für den Ballsport entraten: Jérôme Agyenim Boateng ist ein in Berlin geborener Profifußballer, der einen ghanaischen Vater und eine deutsche Mutter hat. Er ist Innenverteidiger beim FC Bayern München und ebenso in der deutschen Nationalmannschaft. Nun, nachdem der zu erwartende Sturm gerechter Empörung losgebrochen ist, behauptet Herr Gauland: „Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten.“ Das bedeutet, Herr Gauland wertet nur Persönlichkeiten ab, denen er zuvor in einem gesellschaftlich angemessenen Rahmen gemäß den Statuten des Freiherrn von Knigge vorgestellt wurde. Was grundsätzlich ein feiner Zug ist. Erlaubte ich mir, diese aristokratische Haltung zu teilen, könnte ich wiederum insinuieren, dass besagter Gauland ein rassistischer Dreckskerl und ein präseniler Volksverhetzer ist, was ich jedoch nicht tue, da ich, ebenso wie dieser Politiker von intellektuellem Kleinwuchs, nur Menschen abzuwerten pflege, mit denen ich persönlich bekannt bin – und ich kenne ihn dankenswerterweise nicht. Frauke Petry jedenfalls, die reanimierte Magda Goebbels der AfD, hat mittlerweile der BILD erklärt: „Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist.“ Nun, Herr Gauland ist Jahrgang 1941, demnach 75 Jahre alt, da ist ein gewisses Verständnispotential vorhanden, dass sich gelegentlich mal ein kleiner rassistischer Wink mit dem Zaunpfahl im geistigen Bodennebel verflüchtigt, insbesondere wenn es so viele sind, dass man mit all diesen Zaunpfählen glatt die Mauer durch unsere Köpfe mehrfach ersetzen könnte. Hinzu kommt, dass diese vermeintliche Entgleisung selbstredend gar keine Entgleisung war, sondern der durchaus ernstzunehmende und kalten Herzens initiierte Versuch, die Grenzen des heute schon Machbaren auszutesten. Wie weit ist die Saat gediehen, die Pegida, NPD und AfD in den Köpfen der Einfältigen und Bekloppten ausgesät haben? Sind wir wieder so weit, dass wir einen Farbigen einen Nigger nennen dürfen, einen Juden einen Itzig und einen Moslem einen Kanaken? Bezeichnend in dem Zusammenhang erscheinen mir auch andere Äußerungen zum selben Thema. Thilo Sarrazin beispielsweise sagte der BILD: „Dieser Ausspruch ist so blöde, dass man ihn eigentlich gar nicht kommentieren kann. Im Übrigen ist Boateng Christ und hat eine deutsche Mutter.“ Jawohl, Herr Obersturmbannführer, er ist Christ und hat eine deutsche Mutter. Dann ist ja alles in Butter. Abtreten! Wegtreten! Austreten! Kotzen!

 

 

 

© 2016 Peter Conrad

 

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