Happy Birthday, Weltgeist!

Georg Wilhelm Friedrich Hegel zum 250. Geburtstag am 27.08.2020


Am Ufer steht der alte Hegel,

ermessend der Gedanken Pegel

inmitten jener Nichtigkeiten,

um die wir mit den Göttern streiten.

 

„Dieselben“, denkt der Philosoph,

„sind doch in toto grottendoof;

es hilft daher nur die Vernunft

wider der Götzendiener Brunft.

(Man mag den Geist obwalten lassen,

gilt es des Pudels Kern zu fassen!)

 

Die Wahrheit, ja – Fürbass, Fürbass! -,

wird uns erleuchten. Sie ist das,

was uns als Menschen definiert

und unser Denken reich garniert.

Ansonsten sind wir im Gestürm

nichts Edleres als nur Gewürm,

der Affen Horden Widerschein -

nicht fähig, wirklich groß zu sein!“

 

Da kommt von links, ich weiß nicht mehr,

Napoleon mit Pomp daher,

auf seinem Zossen eitel sitzend,

das Blut aus allen Poren schwitzend,

und Hegel ruft: „Der Menschheit Seele

ist ER, den ich Euch anempfehle!“,

negierend all die Kriegsverbrechen,

die eine andre Sprache sprechen.

Vermutlich war da wohl sein Geist

verfrüht nach Bamberg abgereist.

 

Anmerkungen zum Text:

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) war ein Philosoph und Vertreter des sogenannten „Deutschen Idealismus“. Insbesondere Karl Marx wurde stark von Hegels Arbeiten beeinflusst und entwickelte aus dessen Ideen den Dialektischen Materialismus, der dann zum Wissenschaftlichen Sozialismus mutierte. Mit den bekannten Folgen.

Fürbass bedeutet „vorwärts, weiter“.

„… des Pudels Kern …“: In Goethes „Faust“ verbirgt sich der Teufel in Gestalt eines Pudels, was den düpierten Magister zu folgender Feststellung veranlasst: „Das also war des Pudels Kern! / Ein fahrender Skolast? Der Kasus macht mich lachen.“ (Faust I, Johann Wolfgang von Goethe.)

Am 13. Oktober 1806 schrieb Hegel über den Einzug Napoleons I. in Jena an seinen Freund Niethammer: „Den Kaiser – diese Weltseele – sah ich durch die Stadt zum Rekognizieren hinausreiten; – es ist in der Tat eine wunderbare Empfindung, ein solches Individuum zu sehen, das hier auf einen Punkt konzentriert, auf einem Pferde sitzend, über die Welt übergreift und sie beherrscht.“ So entstand der später fälschlicherweise als „Weltgeist zu Pferde“ kolportierte Begriff von der „Weltseele zu Pferde“.

Trotz seiner Begeisterung für den kleinwüchsigen Franzosen hielten es dessen Offiziere für angeraten, Hegels Haus zu requirieren, sodass dieser mangels finanzieller Mittel gezwungen war, nach Bamberg zu gehen.

 

 

Lieblingszitat von Hegel: „Wo die Minderheit der Mehrheit gehorchen muss, da ist keine Freiheit.“