Letzte Worte, letzte Taten


Herr Goethe schalt den Eckermann:

„Du fällst mir auf den Wecker, Mann!

Es heißt, du Gimpel, nicht: Wer sticht?,

sondern, verdammt noch mal: Mehr Licht!

 

Kleopatra nährt’ eine Natter

an ihrem Busen und ward matter.

Zu Marc Anton sie grimmig sprach:

„Das war’s dann wohl. Ich komme nach!“

 

Es sprach der große Alexander:

„Ich fühl‘ mich weidlich durcheinander.

Ob das wohl an den Göttern liegt?“

Da war er längst vom Schnaps besiegt!

 

Jung Siegfried galt als echter Recke,

doch Hagen bracht’ ihn um die Ecke.

Er griff nach seinem Lindenblatt

und rief erstaunt: „Da biste platt!“

 

Herr Shakespeare flocht noch ein Sonett,

dann fiel er rittlings auf das Bett.

Er sprach zu seiner Gänsefeder:

„Mich deucht, der Tod will mir ans Leder!“

 

Es rief Herr Einstein nach dem Ende:

„Na sieh mal an! Welch‘ eine Wende!

Auch wenn es mir zuwiderlief,

das Sterben war nur relativ!“

 

Es suchte nach den letzten Worten

der Heinrich Heine allerorten,

doch als der Tod kam an die Seine[1],

da war es ihm, als hätt’ er keine!

 

Da Vinci ließ den Pinsel fallen

und fing wie trunken an zu lallen:

„So viel getan, so vieles nicht …

Na, ist egal. Es lohnt sich nicht!“

 

Es sprach zum Henker Anne Boleyn:

„Liebwerter Freund, ich muss nun geh’n.

Zielt mit dem Beile trefflich gut,

weil mir ansonst der Hals wehtut!“

 

Es rief zu seiner Frau der Luther:

„Ich wär’ jetzt lieber in Kalkutta …“

Da sprach die Gute leise: „Luther,

du bist bald nur noch Würmerfutter!“

 

 

De mortuis nil nisi bene[2]

 

 

 

Zugabe:

 

Es fiel von seinem Blatte

der Madin fetter Gatte,

weil er, der Nimmersatte,

zu viel getrunken hatte.

Da sprach die Madin: „Latte!

Was nutzte mir der Gatte

auf seinem Lindenblatte,

der keinen Fallschirm hatte?“

 



[1] Heinrich Heine starb in Paris, das bekanntlich an der Seine [sɛn] liegt.

[2] „Von den Toten nichts, außer auf gute Weise.“