Mein Herz ist wild


Mein Herz ist wild wie junge Hunde,

es wächst und streckt sich wie ein Baum,

es tummelt sich in Rosengärten,

es biegt sich, schafft sich freien Raum.

Hochfahrend weiß mein Herz zu singen,

von Dingen, schön wie junges Laub.

Verzagend kann mein Herz nur klagen,

von Abgrund, Asche, Staub und Staub.

 

Doch nun empor und dann hinab,

das weite Land mit Licht erfüllt!

Auf schwarzen Stieren will ich singen,

bis Stein um Stein die Festung fällt.

 

Mein Herz verströmt den Duft von Ginster,

es badet sich in Herrlichkeit,

es wuchert, wächst im Glanz der Sterne,

es öffnet sich, und macht sich weit!

Mein Herz ist wild, und weiß wie Schwäne,

es bricht mit Glanz den grauen Tag!

Ich ruf dir zu: Mein Herz ist wild,

es dröhnt in mir von Schlag zu Schlag.

 

Drum steig nur ab von deinem Ross,

du Schöne, köstlich anzuseh‘n,

will dich besitzen für die Nacht,

am Morgen deine Locken dreh‘n!

Bereu mich nicht, du treues Weib,

dein Mann ist fett und alt wie Staub;

was er nicht sieht, bleibt unerkannt.

Heut Nacht bist du mein schönster Raub!

 

Mein Herz ist wild, und betet nicht

im Garten, wo die Keuschheit wohnt,

wo tief im Schatten, kalt und blass,

die Sittsamkeit als Göttin thront.

Mein Herz hat Klauen, Kraft und Mut,

poliert den Glanz auf deinem Haar,

biegt deine Schenkel in die Flut,

die dich zuvor nur treiben sah!

 

Mein Herz ist wild, doch Trauer füllt

die Tat, die ich begangen hab.

Und Müdigkeit, sie packt die Last

auf meiner Glieder frisches Grab.

Lass mich nun ruhen, schönes Weib,

und lass mich träumen, Schwarz und Weiß!

Ich kann nun nicht mehr um dich fragen,

hab schon bezahlt den hohen Preis,

den du verlangst für deine Lust,

für deiner Glieder Salzgeschmack.

Leg deinen Kopf auf meine Brust,

bis ich dich wieder nehmen mag.

 

Mein Herz ist wild, doch wie der Hund,

der nächtens durch die Wälder jagt,

ruht es am Tag am warmen Herd,

wo keine Frau um Liebe klagt.

Die Lust, sie brennt, doch auch der Mann,

der Stund um Stund die Fahne schwingt,

braucht nach dem Werke dann und wann

den Platz, wo ihm der Schlummer singt.

Drum lass nun ab, mein holdes Weib,

ich kann nun nicht mehr länger tun,

ich muss auf deinem schönen Leib

ein Stündchen oder länger ruh‘n.

Doch geh nicht fort, denn so soll’s sein,

dass beim Erwachen du mich siehst,

und ich erfühl im Kerzenschein,

wenn du an meinen Schenkeln kniest.

 

Mein Herz ist wild! Ach, viel zu wild!

Ich bin ja nicht mehr zwanzig Jahr!

Und wenn es dann am Morgen äugt,

 

ist dies, mein Tierchen, nicht mehr da …