Tête-À-Tête im Café


Ein schönes Weib, ausnehmend schön, betritt die stille Stätte.

Sie setzt sich hin, très élégante - bestellt, was sie gern hätte:

„Une chocolat!“ „Sehr wohl, Madame!“ Mein Herz beginnt zu schwimmen;

am liebsten möcht‘ ich hier und jetzt den Balzgesang anstimmen.

Ein Frauenzimmer, so wie dies, trifft man nicht oft im Leben,

doch steh ich Esel starr und stumm – kein Wort ist mir gegeben!

„Was ist?“, fragt sie und blickt mich an. „Ist Ruß auf meiner Wange?“

„O nein, Madame, die ist perfekt!“ Da kichert süß die Schlange.

„Nun gut, Monsieur, ich bitt‘ sie, flink! Serviert die Schokolade …“

Doch ich bleib reglos, ganz entrückt vom Glanz der weißen Wade.

Ihr Auge sticht wie Schlangenzahn, und grollend schwillt der Busen.

(Ein solcher Busen - meiner Treu! – ergötzte selbst die Musen …)

Die Lippen brennen, Flammen gleich, sind rot wie eine Wunde,

und mit den Öhrchen, zart und fein, ist Donnerschlag im Bunde!

„Monsieur! Mon Dieu! Was ist nur los? Bin ich ein Weltenwunder?

Bringt mir die chocolat, crétin, ansonsten gibt es Zunder!“

 

Ach, wär‘ ich doch ein stolzer Prinz, ich wüsste zu betören.

Ich schwör‘, dein Alabaster-Leib würd‘ alsbald mir gehören.

Wir zeugten Kinder, Stück um Stück, ein Dutzend scheint mir billig.

Entflammte dich die Heldenbrust, dann zeigtest du dich willig!

Non, non, damné, das ist verrückt. Ich bin nur ein serveur,

und wenn ich jetzt nicht stiften geh, passiert noch ein Malheur.

Doch als ich mich entfernen will, seh‘ ich sie spöttisch lächeln

und sich mit einem Blatt Papier ein wenig Luft zufächeln.

 

„Mein schöner Herr, mein junger Freund, mir scheint, ihr wollt euch zieren.

Wenn man ein Herz erobern will, darf man sich nicht genieren!

Hier, meine Nummer, ruft mich an. Doch Obacht ist vonnöten,

ansonsten würde euch François, mein stolzer Gatte, töten!

Wie spät? So spät? Ach, viel zu spät. Parbleu, ich muss nun eilen.

 

Doch, Zuckerstück, beim tête-à-tête gibt’s längeres Verweilen …“