Wiener Blut (A oide Moritat)


Unser Beitrag zum Thema Gendergerechtigkeit

 

Mitzi Dünnbier war a Madl, kugelrund und sehr adrett,

aber, leider, für die Liebe war sie eklatant zu fett.

Hrdlczka, der Schwerenöter, nahm sie zärtlich bei der Hand,

und er küsste ihre Lippen, bis ihr Herz in Flammen stand.

 

Hämisch grinst der alte Mond,

grün wie eine Kröte,

Fledermäuse steigen auf

in die Abendröte.

 

Hrdlczka macht sehr zufrieden mit dem Messer einen Schnitt.

Leise pfeifend nimmt der Mörder ihren Oberschenkel mit.

 

Wiener Blut, Wiener Blut

fließt wie ane rote Flut

von der Treppe ins Parterre,

und von dout ins rote Meer.

Hrdlczka ist Frauenhasser,

Leichen pflastern seinen Weg.

In der Donau grauer Wasser

treibt a weiterer Beleg.

 

Hilde Kreisky war alleine, fast schon fünfunddreißig Jahr,

und die Asche ihres Gatten lag verwahrt im Samowar.

Hrdlczka, der Frauenschlächter, kam und sah und siegte schnell:

Einundzwanzig heiße Nächte wackelte das Bettgestell!

 

Draußen heult der Wintersturm

und verweht die Gräber.

Auf dem Feuer brutzelt schon

kaltgemachte Leber.

 

Hrdlczka zerhackt im Keller, was von Hilde Kreisky blieb.

Ihren eingeweichten Schädel trennt er ab mit einem Hieb.

 

Wiener Blut, Wiener Blut

fließt wie ane rote Flut

von der Treppe ins Parterre,

und von dout ins rote Meer.

Hrdlczka ist Frauenhasser,

Leichen pflastern seinen Weg.

In der Donau grauer Wasser

treibt a weiterer Beleg.

 

Auch die Friedhofsgärtner-Gattin hat er gschamig umgebracht.

Und die Hofrat-Schwiegermutter mit der Säge kurz gemacht.

Hrdlczka, der Massenmörder, kennt die Weiber ganz genau,

doch er geht nicht in die Falle, dafür ist er viel zu schlau!

 

Draußen hockt der Sensenmann,

grinst mit bleichen Zähnen.

Hrdlczka sticht noch mal zu,

unterdrückt ein Gähnen.

 

Eingemacht in Gurkengläser schwimmt der blutgetränkte Rest.

All die Toten feiern fröhlich Wiederauferstehungsfest.

 

Wiener Blut, Wiener Blut

fließt wie ane rote Flut

von der Treppe ins Parterre,

und dout ins rote Meer.

Hrdlczka ist Frauenhasser,

Leichen pflastern seinen Weg.

In der Donau grauer Wasser

treibt a weiterer Beleg.

 

Hrdlczka fand seinen Meister; denn er hatte sich verliebt!

Edeltraud, sie spielte Harfe, war in den Salons beliebt.

Und er wollte sie betören, doch, o weh!, die Maske fiel!

Niemand konnte sie verführen, denn sie spielte nur ein Spiel!

 

Auf den Teppich spritzt das Blut,

dick wie Remoulade.

Hrdlczka ist mausetot,

Jössas, na, wie schade!

 

Edeltraud ist Imitator, und zudem ein Transvestit!

Alle Männer sind verwundert, wenn sie blank das Messer zieht!

 

Wiener Blut, Wiener Blut

fließt wie ane rote Flut

Von der Treppe ins Parterre,

und von dout ins rote Meer.

Edeltraud ist Männerhasser,

Leichen pflastern ihren Weg.

In der Donau grauer Wasser

treibt a weiterer Beleg.

 

Wiener Blut, Wiener Blut

fließt wie eine rote Flut!

Das ist guter Wiener Schmäh!

Servus, Mahlzeit und Adjöh!