Brief an Sigmund Freud (Von einem Mitschüler)


Ein Tannenbaum? Ein Tannenbaum!

Das bringt mich noch um den Verstand!

Weil dieser Baum, da bin ich sicher,

dort gestern ganz gewiss nicht stand!

 

Ich rufe meine Frau Sabine,

damit sie dieses Wunder sieht.

Doch ist Sabine in Cuxhaven,

was selten oder nie geschieht.

Da ruf ich meine 20 Kinder;

das ist vertane Liebesmüh!

Die Raben haben sie begraben,

das ganze Pack ist schon perdu!

Ich blicke in des Kühlschranks Rachen,

und siehe da, hier sitzt er ja:

Mein alter Freund Maxime Holunder,

und seine Braut ist mit ihm da.

Ja, kommt doch rein, ruf ich, Holunder,

ihr friert euch ja die Nasen weg.

Er lacht und weist mir den Burgunder:

„Das schert mich einen feuchten Dreck!“

 

Als ich aus meinem Fenster blicke,

trau ich den alten Augen kaum!

Dort draußen steht, ganz still und stiekum,

kein veritabler Tannenbaum!

 

Kein Tannenbaum? Kein Tannenbaum!

 

Ach, scheiß doch drauf, es war ein Traum!