Karl Dall ist tot


Laputa, den 24. November 2020

 

Karl Dall ist tot. Das ist per se eine traurige Nacht. Für seine Familie, seine Freunde und seine immer noch zahlreichen Fans tut es mir aufrichtig leid. Ich kenne ihn aus goldenen Jugendtagen, als er sich mit Insterburg & Co. durch den Musikladen von Radio Bremen blödelte. Auf der anderen Seite: In einem renommierten Feuilleton stand, er sei einer der letzten großen Komiker in Deutschland gewesen. Das wiederum lässt tief blicken: Die Engländer haben John Cleese, wir haben Karl Dall. Dort muss man in Oxford und Cambridge studiert haben,  hier reicht ein hängendes Augenlid.

 

Ich persönlich finde nicht, dass Karl Dall witzig war. Er hat die Rolle des schmierigen alten Mannes perfektioniert, das stimmt. Aber darüber zu lachen ist mir selbst in den Zeiten schwergefallen, in denen noch nicht über die politische Korrektheit gestritten wurde. Cineastischen Ausflüge a la „Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald“ oder „Sunshine Reggae auf Ibiza“ haben seine „Unsterblichkeit“ gewiss nicht befördert. Und auch adäquate Auftritte im Trash-TV dürften nur denen als Sternstunden der Unterhaltung gelten, die Hugo Egon Balder auf Augenhöhe mit Hans-Joachim Kulenkampff sehen.

 

Dass er gelegentlich einen Strike gelandet hat, bleibt unbestritten. Etwa als er Ronald Kaiser aufforderte: „Nun fang schon an zu singen, dann haben wir es wenigstens hinter uns“, worauf Kaiser aus dem Studio stürmte, oder, als er die unerträgliche Inge Meysel fragte: „Würdest du wieder alles in deinem Leben falsch machen wollen?“ The Rest hingegen ist Silcence!

 

Schlaf gut, Karl. Mögen Dir die Götter des schlechten Geschmacks gewogen sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

Lemuel Gulliver

 

Merke:

Fuzzy Knight: "Uh, is this a game of chance?"

W. C. Fields: "Not the way I play it, no."

 

MY LITTLE CHICKADEE (USA 1940)