Million Dollar Bash


Laputa, den 09. November 2016

 

Da hat es Europa und dem Rest der Welt auch nicht geholfen, dem Idol der Gegenkultur (Was immer das sein mag), einem gewissen Bob Dylan, in letzter Minute den Nobel-Preis für Literatur zu verleihen. Das andere Amerika hat triumphiert; in dem Fall das Amerika der Intoleranz, der rassistischen Vorurteile, der Bigotterie, der Fremdenfeindlichkeit, der chauvinistischen Wutanfälle, der Waffen-Geilheit und des pöbelnden Protektionismus. Zusammenfassend darf gesagt werden, die Ahnungslosigkeit hat am 08. November 2016 einen beeindruckenden Sieg errungen. Und bei aller Häme, die wir nun über diejenigen ausgießen, die Trump gewollt und bekommen haben, auch in anderen Ländern sieht es keineswegs besser aus.

In Russland beispielsweise regiert eine Persönlichkeit, von der Trump durchaus noch lernen könnte: Vladimir Putin, der lupenreine Schein-Demokrat; ein eiskalter Populist, der sein Land vor jedem schädlichen Einfluss, wie ihn Vernunft oder intelligentes Leben potenziell darstellen, hermetisch abschottet.

In Ankara ist es der kleine Sultan Erdogan, der munter jeden verhaften, ins Gefängnis werfen und verurteilen lässt, der nicht seiner Weisheit folgt. Und die, die er aus staatsrechtlichen Gründen nicht auf Nimmerwiedersehen im Kerker verschwinden lassen kann (Böhmermann & Konsorten), die zeigt er mal eben wegen Beleidigung des Türkentums an.

Oder nehmen wir die ungarischen und polnischen Autokratien, die ungehemmt und ohne Rücksicht auf falsche Befindlichkeiten die eigene, schier überwältigende Trivialität zum Machtprinzip erheben - und somit der lebende Beweis dafür sind, dass die Spätfolgen des sozialistischen Experiments fast ebenso schlimm sein können, wie der eigentliche Sozialismus!

Immerhin, auch der durchschnittliche AfD-Wähler ist per se männlich, über fünfzig, von leicht unterdurchschnittlicher Allgemeinbildung und liebt das Althergebrachte. Sie alle, wo auch immer sie ihre dumpfe Scheinheiligkeit als gesunden Menschenverstand ausgeben, haben eines gemeinsam: Sie sind schlichten Gemütes und fühlen sich von der Welt des 21. Jahrhunderts massiv ins Abseits gedrängt.

Warum, zum Teufel, kann nicht alles so bleiben, wie es war? Warum muss sich ständig alles verändern? Warum akzeptieren wir plötzlich Dinge, die noch vor dreißig Jahren völlig undenkbar gewesen wären? Homo-Ehen zum Beispiel, Frauen als Kanzlerinnen, farbige Nachbarn, Menschen, die einer anderen Religion als der christlich-abendländischen angehören.

Warum müssen wir all das fressen, obwohl wir doch ständig davon kotzen wollen. (Siehe Pegida!) Natürlich ist schlichtes Schwarzweiß-Denken deutlich bequemer als eine differenzierte Analyse. Natürlich ist es einfacher zu sagen, der Schwarze nimmt mir meinen Arbeitsplatz weg und vergewaltigt meine Tochter, anstatt der Wahrheit die unerwartete Ehre zu geben. Der Mensch ist - und man vergisst das nur allzu gerne! – biologisch gesehen ein Affe, der sich irgendwann auf die Hinterbeine gestellt hat. Betrachtet man die aktuelle Situation unter dem Aspekt, dürfte wohl spätestens mit der Wahl des amerikanischen Präsidenten bewiesen sein, was eigentlich nicht bewiesen sein wollte, dass nämlich der überwiegende Teil der Gattung Homo sapiens immer noch auf allen Vieren über die Savannen der Jungsteinzeit promeniert.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Lemuel Gulliver

 

 

Merke: „Toren und gescheite Leute sind gleich unschädlich. Nur die Halbnarren und Halbweisen, das sind die gefährlichsten.“ (Johann Wolfgang von Goethe)