Der Anrufbeantworter Gottes


Was würden wir Gott sagen wollen, wenn wir die Nummer hätten und auf seine Mailbox sprechen könnten?

Würden wir ihn um Weisheit bitten?

Um das Ende aller Kriege?

Um Brot für die Hungernden?

Oder würden wir die kostbare Zeit nutzen, wieder mal unser eigenes kleinkariertes Ego zu befriedigen?

***

AB (mit der Stimme von Käpt‘n Blaubär):

Moinsen. Hier spricht der Anrufbeantworter vom lieben Herrn Gott. Ich kann derzeit nicht an den Apparat kommen. Bitte sprechen Sie nach dem „Halleluja“ eine Nachricht auf, ich rufe dann umgehend zurück. Gelobt sei der Herr – demnach ich selbst, hehehe!  In Ewigkeit, Amen.

 

Georg Friedrich Händel:

„Haaa-lle-lu-ja, Haaa-lle-lu-ja Halleluja, Halleluja, Ha-lleee-lu-jaaa!“

 

Dr. Flötenzupfer:

Wie bitte? Moinsen? Soll das ein Scherz sein? Seit wann liegt der Petersplatz am Heiligengeistfeld? Ich habe diese Telefonnummer für $ 1,35 in Travelers Cheques bei einem Straßenhändler in Islamabad gekauft. Sollte die ganze Chose nur ein mieser Trick sein, um Geschäftsleute abzuzocken, die in der Dritten Welt ihrem ureigenen Business nachgehen,  dem Ausbeuten sensationell unterbezahlter Hungerleider mit Turban oder Lendenschurz, möchte ich, dass eine Sache unmissverständlich klar ist: Ich kenne da einen Direktor bei der CIA, der willens und auch in der Lage ist, Gesindel wie euch mit einem chirurgisch präzisen Angriff seiner Killer-Drohnen vom Antlitz des Planeten hinwegzufeg- !!!

 

AB:

Piep!

Tut mir leid, meine Schäfchen, die Sprechzeit ist abgelaufen. Versucht es später nochmal oder lasst das in Gottes Namen bleiben. Diese Servicenummer kostet zwölf Vaterunser, drei Ave-Maria und sechs Rosenkränze pro Minute, beim Handy kommt noch der Weihrauch obendrauf. Halleluja!

 

Dr. Flötenzupfer:

Mein lieber Herr Gott, ich sehe schon, Sie müssen noch eine ganze Menge lernen, bevor wir beide miteinander ins Geschäft kommen. Nichtsdestotrotz, ich gehe davon aus, dass dies wahr und wahrhaftig der Anschluss der allerhöchsten Wesenheit ist, und dass Sie, verehrter Meister, Ihre Nachrichten gelegentlich auch mal abhören. Wenn möglich, noch vor Entzünden des Fegefeuers! Ich habe da nämlich ein paar sensationelle Vorschläge, die ich Ihnen gern unterbreiten möchte.

Der Name, wie sich Euer Scheinheiligkeit vielleicht zu erinnern belieben, ist Flötenzupfer: F wie Fegefeuer, L wie Liturgie, Ö wie Ökumene, T wie Talar, E wie Exegese, N wie Nuntius, Z wie Zölibat, U wie Urbi et orbi, P wie Prälat, F wie Fastenzeit, E wie Eucharistie, R wie Regensburger Domspatzen. Alles klar? Deo gratias.

Hier kommt meine erste Idee: Mädels!

„Ja was?“, höre ich sie bereits vor meinem geistigen Auge krakeelen, „Frauen, die gibt’s doch längst! Habe ich mit eigener Hand geklöppelt. Aus deiner eigenen Rippe, Adam!“

Schon recht. Aber, mein lieber Herr Gott, wenn wir Deutschen Autos bauen würden, wie Sie und Ihre Erzengel Frauen bauen, dann wären wir längst auf den Stand des Bruttonationaleinkommens von Bhutan zurückgefallen!

Ist Ihnen klar, dass an diesem Modell seit zehntausend Jahren nicht die kleinste Modifikation vorgenommen wurde? Nicht die allerkleinste! Und dabei gäbe es so viele wunderbare Gimmicks, die den Absatz von Frauen weltweit explodieren ließen! Drei Brüste, zum Beispiel. Jemals darüber nachgedacht? Natürlich nicht. Und dabei liegt es doch gewissermaßen auf der Hand: Frauen mit drei Brüsten haben eine deutlich höhere Marktpräsenz als Frauen mit den herkömmlichen zweien. Allerdings wäre es dann angebracht, Männer mit drei Armen auszustatten. Besser noch mit vieren, dann können wir gleichzeitig auf dem iPhone daddeln.

 

AB:

Piep!

 

Dr. Flötenzupfer:

Flötenzupfer hier. Glauben Sie ja nicht, dass Sie mich schon los sind. Manager meines Kalibers wären dort oben bei Ihnen dringend erforderlich, um den Laden mal in Schwung zu bringen.

Halt! Stopp!

Damit ist selbstverständlich nicht gemeint, dass Sie mich JETZT abberufen sollen. Das nicht! Momentan bin ich noch für den weiteren Fortbestand der Menschheit unentbehrlich.

Deshalb gleich meine nächste Idee: Die Andersgläubigen! Ja, Herrschaftszeiten, wozu braucht’s denn die Andersgläubigen, wenn wir uns doch einig darüber sind, also unisono alle, auf die es an der Börse, im Vatikan und in der bayerischen Staatskanzlei ankommt, dass die katholische, sprich: die christlich-abendländische Glaubenslehre die allein seligmachende ist? Weg mit denen, sag ich! Da müssten wir doch nicht mal ein schlechtes Gewissen haben!  Man könnte auch Al Jazeera eine Fake News zukommen lassen, die NSA habe eine Mail vom Propheten abgefangen, des Inhalts, jeder gläubige Muslim,  der binnen vierzehn Tagen der katholischen Kirche (alternativ der CSU) beiträte (selbstredend um den Laden zu unterwandern), dürfe dereinst im Paradies 72 Jungfrauen sein Eigen nennen! Jede mit drei Brüsten, mit sechs gegen Aufpreis, und inklusive einer Infrarot-Fernbedienung. Inschallah! Jawohl, mein lieber Herr Herrgott, Inschallah sag ich, und nicht etwa Halleluja, wie weiland der selige Aloisius Hingerl!

 

AB:

Piep!

 

Dr. Flötenzupfer:

Ehrlich gesagt, das nervt! Glauben Sie, ich kann mir meine Zeit aus den Fingern saugen? Nein, mein Bester, ich bin ein Glied – ein Glied in der Kette der rücksichtslosen Gewinnmaximierung! Da hat man keine Muße für den Austausch sinnloser Ehrbezeugungen! Da werden Deals erwartet! Knallharte Entscheidungen!

Letzter Punkt: Wie können wir Sie, mein Bester, für die dramatisch ansteigende Anzahl derer attraktiv machen, die praktisch an jeder Ecke austreten gehen? Also, ich meine selbstverständlich, aus der Kirche austreten. Nun, ganz simpel. Indem wir Sie endlich ins 21. Jahrhundert transzendieren, Sie oller Weihnachtsmann! Schon mal was von Twitter gehört? Das ist so ein Kurznachrichten-Dings, wo man all das unter seinen Mitbrüdern verbreiten kann, was weiß Gott (demnach Sie) keine Sau interessiert, was man jedoch trotzdem schon lange an den Gläubigen bringen wollte. Habe mir erlaubt, um das zu verdeutlichen, ein paar Geschichten aus Ihrer eigenen, wechselvollen Vergangenheit in griffige Tweets zu gießen:

 

„Liege in meiner Hängematte auf dem Berg Ararat und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein. Sieht verdächtig nach Regen aus. Strichweise Niederschläge, sagt der Wetterdienst. Jede Wette, dass Noah bereits die Watussirinder auf die Arche treibt. Zum dritten Mal in dieser Woche, hehehe.“

 

„Abraham, diese ziegenschändende Pappnase. Hatte ihm besoffen ’ne WhatsApp geschickt, er möge seinen Sohn opfern, aber flott, ansonsten würde ich Zweifel an seiner unterbezahlten Loyalität hegen. Mann, Mann, Mann! Versteht der Kerl denn überhaupt keinen Spaß?“

 

„Ja Himmi, Hergott, Sakrament-zefix! Hab ich dieser neugierigen Frau Lot nicht ausdrücklich verboten, sich umzudrehen, während ich mir die Badehose überstreife? Selbst schuld, wenn sie jetzt zur Tanksäule erstarrt ist! Als oberster Trinität steht es mir doch wohl zu, drei vergoldete Zapfpistolen zu haben, oder?“

 

Alles klar, Bartmann?

Moment, da klingelt’s, ich geh mal an die Tür.

Ja holla. Wer sind Sie denn? Wer sind Sie? Der Dings? Der Tod? Der liebe Freund Hein? Ja, schön, aber wir haben nichts bestellt. Was wollen Sie mir andrehen? Ein Zeitungsabo vielleicht? Definitiv keinen Bedarf! Ich lese nicht, ich lasse lesen. Und fummeln Sie mir gefälligst nicht mit Ihrer verrosteten Sense vor der Nase rum. Die weitaus meisten Unfälle geschehen bei Arbeiten in Garten und Haus, wussten Sie das nicht?

Wer schickt Sie überhaupt? Der liebe Herr Gott schickt Sie? Meine Eieruhr sei abgelaufen, sagt er, der liebe Herr Gott? Na, das passt ja ganz ausgezeichnet, den habe ich sowieso gerade am anderen Ende der Leitung. – Also, hören Sie mal, Sie hinterhältiger, fusselbärtiger, Jungfrauen schwängernder -!“

 

SSSSSS-SSSSTTT!!!

 

KLICKERADOMMS!

 

AB:

Piep!

 

 

Einsatz Musik: Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem in d-moll (KV 626)