Mimikry


 

Erst dachten sie, sie hätten ein Riesenproblem. Jetzt wissen sie, es ist weitaus mehr als das.

 

Amelia McCormack, eine vierundfünfzigjährige Hausfrau und Mutter von elf Kindern, fand die Leiche um sechs Uhr abends auf dem Weg von der chinesischen Reinigung, wo sie tagsüber anderer Leute Leibwäsche bügelte, zu ihrer bescheidenen Behausung in der Catskill-Avenue. Der Schrei, den sie ausstieß, hätte normalerweise den Toten zu neuem Leben erwecken müssen, doch war das, angesichts der massiven Einwirkung von Gewalt auf das Opfer, ein Ding der Unmöglichkeit.

„Mein Gott! Haben Sie sowas schon mal gesehen?“, fragte Deputy Chief Anatol Litvak, der es sich nicht hatte nehmen lassen, in eigener, übergewichtiger Person am Tatort zu erscheinen.

Detective Gray, ein junger, aufstrebender Beamter der Mordkommission, schüttelte den Kopf. „Niemals, Sir. Nicht mal im Krieg.“

Litvak nahm eine Zigarre der Marke „Old Buckskin“ (Ein Dutzend zu einem Nickel, bei Abnahme von drei Dutzend, ein Dutzend umsonst), gab sich mit einem Streichholz Feuer und flüsterte dem gerade eingetroffenen Bürgermeister zu: „Keine halben Sachen, Mayor. Am nächsten Sonntag sind Wahlen. Wir brauchen einen Mann, der die Chose in den Griff bekommt.“

„Ich wüsste da jemand …“, setzte Gray an, doch weder der Chief noch das Stadtoberhaupt ließen Beachtung oder auch nur geringschätzigen Respekt erkennen.

„An wen denken Sie, Anatol?“, fragte Houseman, der die düstere Metropole Radio City ungefähr seit dem Mesozoikum regierte.

„Rock Coach“, knurrte Litvak.

Der Bürgermeister erbleichte mit atemberaubender Geschwindigkeit.

„Rock Coach? Haben Sie den Verstand verloren, Mann?“

Litvak packte Houseman am Arm und zog ihn aus dem nikotingelben Lichtkegel einer windschiefen Straßenlaterne in eine dunkle, von umgestürzten Mülltonnen garnierte Ecke abseits der zahlreich herumlungernden Ohren. „Wir haben keine Wahl, John. Rock Coach ist unser bester Mann - und das wissen Sie! Wenn einer den Fall lösen kann – und zwar innerhalb der nächsten drei Tage! -, dann er.“

„Rock Coach ist ein undisziplinierter, widerborstiger, aufsässiger, alkoholseliger Quertreiber, ohne Sinn für das Fingerspitzengefühl, das das politische Tagesgeschäft nun mal erfordert.“

„Scheiß drauf. Wenn morgen die Zeitungen erscheinen, wird das da …“ (Litvak wies auf den breitflächig verteilten Haufen Eingeweide, Knochensplitter, Hirnmasse, Blut und Exkremente, der von einem gelben Band umrahmt wurde) „… ganz groß auf der ersten Seite prangen. Und zwar unter der Überschrift: ,Massaker in Sugarhill! Was tut die verdammte Polizei von Radio City? Und wo, zum Henker, steckt der gottverdammte Bürgermeister, wenn man ihn braucht?‘“

Houseman folgte der Richtung des Fingers und musste zweimal schlucken. „Können wir das … Ich meine, wenn wir das ein bisschen herunterspielen würden?“

Litvak packte seinen Dienstherren am Kragen des Tausend-Dollar-Mantels und zog dessen Gesicht so nah an das seine, dass Houseman den billigen Fusel roch, mit dem sich der Chief vor Besichtigung der Schweinerei in Form gebracht hatte.

„Da gibt es nichts herunterzuspielen. Wir haben das schon heruntergespielt, falls das Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein sollte. Wir haben bereits ein halbes Dutzend von der Sorte heruntergespielt. Ganz allmählich kneift das Höschen, und ich spüre die ersten Anzeichen einer Flatulenz. In Reinschrift: Ich werde definitiv nicht derjenige sein, der den Rückschlag ins Gesicht bekommt. Capito?“

Houseman nickte. Er nickte langsam.

 

Rock Coach saß auf einem abgeschabten Polstersessel in seinem Anderthalb-Zimmer-Apartment (Gemeinschafts-Dusche auf dem Flur. Münzen für den Warmwasser-Boiler nur gegen Barzahlung) und lauschte im Radio seiner Lieblingssendung „Mutt & Jeff, die kreuzdummen Agnostiker“, als das an die Wand geschraubte Bakelit-Telefon über dem Küchenabfluss zu randalieren begann. Er nahm einen Schluck „Double Damnation – Six Month Old“, bevor er sich mühsam ächzend aus der Sitzgelegenheit schraubte und auf fantasievoll restaurierten Socken zur Quelle der nächtlichen Ruhestörung schluffte.

„Ja!!!“, brüllte er mehr, als dass er sprach.

„Hier ist Litvak. Haben Sie geschlafen?“

„Das Exekutive schläft nicht – nur die Legislative. Sollten Sie doch am besten wissen, Chief!“

„Wenn ich einen Komiker brauche, rufe ich Groucho Marx an. Schwingen Sie Ihren Arsch nach Sugarhill. Es gibt Arbeit.“

Coach puhlte ein Stück Formschinken aus den Zähnen, bevor er die übliche Frage stellte: „Bin ich im Dienst?“

„Verdammt. Sind Sie immer noch in der Leitung? In der Zeit hätte meine Granny den halben Weg nach Cucaracha Bottom geschafft.“

„Sie haben meine Frage verstanden?“

„Sind Sie Bulle, oder was?“

„Steht zumindest auf meiner Marke.“

„Dann sind Sie auch im Dienst.“

Klack. Die Verbindung war beendet.

 

Als das Cab mit quietschenden Reifen am Tatort zum Stehen kam, war Doc Gilmore, der städtische Pathologe, bereits eingetroffen. Rock Coach warf dem Fahrer großzügig einen Dime zu und schlenderte neben den alten Leichenschänder, der so übergewichtig war, dass die Aussage „gut durch den Winter gekommen“ in seiner Person eine völlig neue Bedeutung erhielt.

„Na, Bucky, alter Leichenschänder, was haben wir denn hier?“

Der Pathologe schob einen Priem in die Backentasche und schnaubte verächtlich. „Nimm einen Wasserschlauch und spül die ganze Schweinerei den Abfluss hinunter – dann ersparst du der Stadtverwaltung ‘ne Menge Ärger.“

„So schlimm?“

„Die barmherzige Jungfrau der Schwestern vom vorletzten Abendmahl soll mir auf der Stelle die Eier lutschen, wenn ich je Schlimmeres sah.“

Sie traten an den von Spotlights erleuchteten Tatort, wo Beamte der kriminaltechnischen Abteilung vergeblich bemüht waren, den obligatorischen Kreideumriss der Leiche anzufertigen.

„Heiliger Charlie Chan. Sieht aus, als hätte der liebe Gott mit der Faust draufgeschlagen.“

„Das oder ‘ne Herde Elefanten.“

„Schon ‘ne Ahnung, wer das Opfer ist?“

„Erstaunlicherweise ja. Irgendwo zwischen Dickdarm, Milz, Brustbein und Gallenblase haben wir die Brieftasche gefunden. Sein Name ist Johnnie Belmore, vierundfünfzig Jahre alt, ledig, katholisch, Versicherungsvertreter.“

„Klingt nicht wie das typische Opfer einer Voodoo-Karnevalszeremonie.“

„Die Jungs haben das gecheckt. Nicht mal ‘ne Verwarnung wegen Geschwindigkeitsübertretung. Der Typ war sauber wie’n Bischof in der Spielbank. - Glaubst du, da steckt was Religiöses hinter?“

„Keine Ahnung. Aber so, wie der zugerichtet ist, würde ich denken, dass jemand ganz schön sauer auf ihn war.“

„Hoffe, ich werde dem Wichser, der’s getan hat, niemals in die Quere kommen …“

„Wann kannst du mir Näheres sagen?“

„Ganz einfach. Sobald ich die Einzelteile auf einem Blatt Papier in der richtigen Reihenfolge zusammengeklebt habe.“

„Verstehe.“ Coach bohrte eine „Guano Filter“ in den Mundwinkel und schlenderte betont lässig zu Houseman und Litvak, die ihm mit finsteren Mienen entgegen starrten.

„Ein weiterer Fleck auf der weißen Weste der Stadtverwaltung. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hat das hier irgendwas mit Politik zu tun? Wenn ja, rücken Sie besser gleich damit raus.“

Der Bürgermeister setzte zu einem seiner berühmt-berüchtigten Wutanfälle an, wurde jedoch vom Polizeichef gebremst. „Wir alle sind nur kleine Rädchen in der großen Maschinerie der vergeltenden Gerechtigkeit, Lieutenant Coach, das sollten Sie doch wissen. Mit Politik hat das Ganze hier so viel zu tun wie Klavierspielen mit Sackhüpfen. Allerdings gibt es da ein winziges Problem.“

„Nämlich.“

„Drei Tage. In drei Tagen brauchen wir den Täter gefesselt und geständig auf meinem Schreibtisch. Ansonsten verliert unser guter Bürgermeister die anstehende Wahl und Sie, Coach, Ihre gottverdammte Marke.“

„Sonst noch was?“

„Reicht das nicht?“

„Vielleicht sollte ich mir tatsächlich etwas Zeit lassen. Könnte der Kommunalpolitik in diesem Schlammloch nur guttun.“

Housemans Gesicht verfärbte sich in der Art, als habe er einen Sack Pfefferschoten gelutscht und dann zum Nachtisch mit Reißzwecken gegurgelt. „Coach, Sie verdammter, armseliger Querulant. Wenn das hier erledigt ist, werde ich Ihnen höchstpersönlich die Eier …“

Litvak hob lächelnd die Hand. „Wird Ihnen der Bürgermeister höchstpersönlich die Ehrenmedaille der Stadt für besondere Verdienste um das Gemeinwesen an die Brust heften.“

„Dann lieber stempeln“, murmelte Rock und machte sich von dannen.

 

Radio City war eine Stadt der Lichter – doch waren die Lichter niemals hell genug, um die darunter lauernde Dunkelheit, den Schmutz und den Abschaum ganz zu verdecken. Hier existierten sämtliche Laster, die in Sodom und Gomorrha als problematisch gegolten hätten, in doppelter Lebensgröße - und noch ein paar eigens erfundene dazu, die selbst die alte Mrs. Lot in Wackelpudding verwandelt hätten.

Rock Coach kannte die Stadt wie seine Westentasche. Jedes Atmen, Schleichen, Winseln, Husten, jede noch so leise Regung tief verborgen in den Gedärmen der alten Hure Babylon. Er war hier geboren, in einem abbruchreifen Backsteingemäuer in der Blasphemy-Street. Der letzte ehrliche Bulle von Radio-City. Der letzte ehrliche Bulle auf diesem ganzen gottverdammten Planeten. Während er auf dem Rücksitz von Tommy McGuires Taxi hockte und gelegentlich einen Schluck „Double Damnation“ aus einer Flasche in einer zerknüllten Papiertüte inhalierte, starrte er fast liebevoll auf die Wolken kratzenden Häuser der nächtlichen City, die als gewaltige Radioröhren in den dunstigen Himmel über seinem Kopf ragten. Genau das war sie, die alte Metropolis: Ein riesiger, dröhnender Verstärker, in dem alle Gefühlszustände, Liebe, Wahnsinn, Leidenschaft, Hass, ohne Einschränkung, und definitiv ohne Zutun eines wie auch immer gearteten Gottes, in unermessliche Räume wucherten. Hier gab es kein Schwarz oder Weiß. Hier gab es nur ein Übermaß an Grau, in dem sich die Bürger, egal welcher Stellung, ob groß oder klein, unwichtig oder bedeutend, wie groteske, menschengroße Insekten zwischen Strömen von Geld und Bergen von Elend bewegten - immer auf dem Quivive, dem mysteriösen, niemals verlöschenden Licht am fernen Horizont tunlichst zu entkommen!

Rock war achtundvierzig Jahre alt und gebaut wie eine auf der Spitze balancierende Pyramide aus Stahlbeton. Sein Gesicht hatte im Laufe zahlloser Dienstjahre mehr Einschläge verkraften müssen als der gute alte Mond über dem „Sticky Fingers“-Bankgebäude in seiner langen und erfolgreichen Karriere als Kometenfänger.

Er war hart und trocken wie ein altes Stück Kastenbrot. Seine Fäuste konnten, wenn nötig, so flink und virtuos wie ein Paar schwuler Balletttänzer durch den Äther flitzen, doch wenn sie am Ende ihr Ziel erreichten, was meistens geschah, wuchs dort mit tödlicher Sicherheit kein Gras mehr. Er hatte gelernt, dass austeilen seliger denn einstecken war. Und er hatte gelernt, dass in einer Welt, die aus Korruption, Dummheit, Gier und Mordlust angerührt wird, der Ehrliche nicht nur der Dumme, sondern oft auch der Erste ist, der eine Kugel zwischen die Rippen bekommt - in der Regel von hinten.

Die Zeitungsverkäufer rannten krakeelend mit ihren Blättern über die Bürgersteige, und die in fetten schwarzen Lettern gedruckte Schlagzeile auf der ersten Seite lautete: „Massaker in Sugarhill! Was tut die Polizei von Radio City? Und wo, zum Henker, steckt der Bürgermeister?“ Rock Coach grinste bösartig und delektierte sich an dem Gedanken, dass Housemans fetter Arsch ganz allmählich die Hitze der Herdplatte zu spüren bekam, auf der er so lange unangefochten gethront hatte. Dann lenkte Tommy McGuire den Wagen in eine Lücke am Straßenrand und stoppte den Motor.

„Okay, Boss. Lu Jun’s Golden Crap Palace. Soll ich warten?”

Coach grunzte etwas unverständliches, stieg aus und verschwand im Inneren der riesigen Pagode aus Holz, Flitterkram, Goldfarbe und lächerlichen Drachen aus Pappmaché, in der Radio Citys führender Halsabschneider Audienzen abhielt.

Lu Jun, genannt das „Letzte Abendmahl“, war unbestritten der größte Haufen Unrat der Stadt – mal abgesehen vom Bürgermeister, dem stellvertretenden Bürgermeister, dem Stadtrat, den Abteilungsleitern der Ressorts, der Polizeiführung, dem öffentlichen Wohlfahrtswesen, der kompletten Baubehörde sowie zahllosen anderen Körperschaften des Öffentlichen Rechts, die im Einzelnen aufzuzählen den Rahmen dieser Erzählung sprengen würde.

Es hieß, er habe seine eigene Mutter um die Häuser geschickt, als die schon über Siebzig war – doch konnte das ebenso gut ein böswilliges Gerücht sein. Drei minderjährige Schwestern allerdings, noch dazu von der Syphilis gezeichnet, wussten durchaus ein Liedchen von der Geschäftstüchtigkeit des älteren Bruders zu singen.

Lu Jun saß in seinem „Crap Palace“ wie die Spinne in der Mitte ihres Netzes - durch hauchdünne Fäden mit allen dunklen Löchern der Stadt verbunden. Wenn überhaupt irgendjemand irgendetwas in Erfahrung bringen konnte, dann er. Und zufälligerweise gab es da noch eine offene Rechnung zwischen ihm und dem Lieutenant.

„Hello, Mistel Coach. Haben lange nicht gesehen. Gehen gut?“ Der breit grinsende Kellner in dem viel zu engen Pinguin-Frack machte eine tiefe Verbeugung und wies hinter sich in den Saal. „Wollen speisen? Hummel auf Spinat mit Pasta Falfalle. Sehl leckel.“

„Hummer? Ist das nicht so was wie übergroße Kakerlake?“

„Immel lustig, Mistel Lock. Fein, fein.“

„Wo steckt dein Boss, Creepy?“

„Boss beschäftigt. Menge Albeit. Glauben nicht …“

„Sag ihm, er soll seinen Arsch an die Bar schwingen. Und lass mir einen Underrated Bastard servieren. Auf Kosten des Hauses, versteht sich.“

Das Lächeln verschwand so plötzlich aus dem Gesicht wie eine Wasserkräuselung von der Oberfläche einer öligen Pfütze am Hafen. „Will sehn, was tun kann“, erklärte der Pinguin mit Hinterbliebenen-Miene und verschwand im Gewimmel der frisch geschrubbten und gepuderten Leiber aus den Reihen der besseren Gesellschaft Radio Citys.

Rock pflanzte seinen Hintern auf einen Barhocker und verfolgte interessiert das Bühnengeschehen, wo die berühmte und insbesondere von der Männerwelt verehrte Chanteuse Leslie LaDivina, gebadet in das kobaltblaue Licht diverser Spotlights, umtänzelt von spärlich bekleideten Muskelprotzen, ihren aktuellen Chartbreaker „The Day I’d cut my Baby‘s Throat with a Switchblade Knife“ zum Besten gab. Rock kannte sie noch aus der Zeit als ihr Name Frederica Svoboda gewesen war und sie ihren Lebensunterhalt durch horizontale Gymnastik bestritten hatte. Sie waren damals in eine schweißtreibende affaire de cœur verwickelt gewesen, die allerdings nach drei Tagen ihr lautstarkes Ende fand. Hatte ihn drei Zähne und die Spitze eines Fingers gekostet. Rock überlegte, ob sich die Lady wohl noch an den stämmigen Bullen mit der Tätowierung einer tanzenden Nonne auf der Brust erinnern würde. Wahrscheinlich eher nicht. Was verdammt schade war, denn sie besaß einen Körper, bei dem ein Rennfahrer, wenn er nicht alle Sinne beisammenhatte, leicht mal aus der Kurve schleudern konnte.

Eine Minute später wurde die Tür neben der mit Weihnachtsbaumlämpchen illuminierten Theke geöffnet und Lu Jun trat aus seinen Privatgemächern, flankiert von zwei finster dreinblickenden Bodyguards. Er war ziemlich groß für einen Chink, und es schien, als habe man ihn erst verflüssigt, dann in seinen taubenblauen Anzug gegossen und anschließend aushärten lassen, so perfekt saß der Stoff über dem muskulösen Körper eines Mittelgewichtlers. Die rabenschwarzen Haare lagen eng wie eine Badekappe an. Die Augen strahlten eisige Kälte aus, während die Fingernägel raubtierhaft an den Rändern der Revers entlang strichen.

„Rock Coach“, sagte er mit sanfter Stimme und lächelte, „eine seltene Ehre. Wie lange ist das her?“

„Nicht lang genug“, raunzte Coach und ignorierte die ausgestreckte Hand.

Lu verbeugte sich, unvermindert lächelnd, und wies den Barkeeper mit einem Fingerzeig an, das Glas des Lieutenants neu zu füllen. „Was kann ich für Sie tun? Oder wollen Sie nur Ihre Bekanntschaft mit unserem weiblichen Star erneuern?“

Rock zog es vor, diese kleine Spitze zu übergehen. „Wissen Sie, wie man Ketchup macht, Lu?“

Der Chinese zuckte mit den Schultern. „Müsste ich das?“

„Man nimmt einen Sack reifer Tomaten und fährt fünf oder sechs Mal mit einer Dampfwalze drüber. Das Ergebnis hat fatale Ähnlichkeit mit dem, was ich vor ‘ner halben Stunde in Sugarhill gesehen hab.“

Lu nahm eine dünne grüne Zigarette aus einem Schlangenlederetui und ließ sich vom Barkeeper Feuer geben. „Hätten Sie die Güte, einen ungebildeten Rikscha-Kuli aufzuklären: Was hat das alles mit meinen ehrbaren Geschäften zu tun? Wir Mitglieder der Triaden sind zutiefst friedliebende Bürger und Steuerzahler. Wir foltern ein bisschen, brandschatzen ein bisschen, vergewaltigen ein bisschen, schneiden auch mal die eine oder andere Kehle durch – aber das? Nein, das ist nicht unser Stil.“

„Komisch. Hätte gewettet, genau das ist euer Stil!“

Lu machte eine Geste, lächelnd und so unverbindlich, dass man automatisch annahm, Pirouetten auf seinem jeweiligen Alibi drehen zu können.

Rock flanschte die achtundsechzigste Guano Filter des Tages in den Mundwinkel und verengte die Augen zu gefährlichen Schlitzen. „Keine Zeit für Dünnschiss, Kumpel. Wir haben da noch ‘ne Rechnung offen. Erinnerst du dich an Multiple Shadow? Glaube mich erinnern zu können, dass er aus deinen Gedärmen ein Leibchen für seinen Pitbull stricken wollte.“

Lu Juns Mund lächelte immer noch – die Augen nicht mehr.

Coach beugte sich nach vorn, so dass seine Lippen fast die seines Gegenübers berührten. „Hab ihn für dich auf den Felsen geschickt, Bruder. Für die nächsten dreiundneunzig Jahre.“

„Und dafür bin ich Ihnen dankbar, Lieutenant.“

„Dankbarkeit ist eine schöne Sache, wenn sie von Herzen kommt. Damit Shadow mit deinem Kopf nicht Football spielen konnte, war ich gezwungen, einem widerspenstigen Zeugen die Augen zu öffnen. Danach musste er sich allerdings die Nase im Genick putzen.“

„Soll heißen?“

„Na, der Typ war kurzsichtig. Wenn ich ihn ganz lieb bitte, setzt er sich diesmal vielleicht ‘ne Brille auf die Nase. Und möglicherweise kommt er dahinter, dass es gar nicht Multiple Shadow gewesen ist, der Holy Houdini das Herz mit ‘ner Fleischergabel aus der Brust gepuhlt hat. Wäre das gut?“

Lu schluckte. Er schluckte zweimal. „Nein, das wäre nicht gut.“

Der Bulle grinste, als habe er den großen Teddybären beim Bierbüchsen-Zielwerfen gewonnen. Er streckte sich und klopfte dem Mobster den Goldstaub aus dem Sakko. „Jetzt haben wir uns verstanden, Mann. Jetzt haben wir uns endlich verstanden.“

 

Als Rock Coach eine halbe Stunde später sehr zufrieden Lu Juns Etablissement verließ, klang in seinem Kopf, wie das ferne Echo einer längst erloschenen Liebe, immer noch dieses verdammte Lied nach:

 

“The night is full of raindrops and the moon is almost gone.

I’m sittin’ in a ten-foot-cell and I feel so all alone.

My Baby, he’s just cold as ice, I saw him slowly die.

And ever since I smell his blood. In fact, I don’t know why.

 

I’d cut my baby’s throat with a switchblade knife.

’twas as simple as I thought.

I’d cut my baby’s throat with a switchblade knife

The day they got me caught.”

 

Wo die Sünde gedeiht, steht der liebe Gott fröhlich pfeifend hinterm Pflug. Das war in Radio City nicht anders als im Rest der Welt - mit dem Unterschied, dass die lokalen Götter keineswegs vergleichbar waren mit dem gütigen Alten christlicher Provenienz. Am Rande der Metropole, dort wo die Müllberge seltsame Kreaturen hervorbrachten, schwor man auf sehr spezielle Formen der Religiosität. Manche praktizierten Voodoo-Zauber, andere verehrten rostige Maschinen, deren ursprünglicher Sinn und Zweck längst im Dunkel der Zeit verborgen lag. Wieder andere, zum Beispiel die umfangreiche Gruppe der theosophischen Sodomiten, suchten den Weg des Heils beim Geschlechtsverkehr mit Schalentieren und Feuerwehr-Hydranten. Niemand vermochte sich vorzustellen, wie das möglich war. Niemand wollte sich das vorstellen!

Lu Jun jedenfalls hatte bei der „unbefleckten Empfängnis“ seiner ehrwürdigen Frau Mutter geschworen, dass er und die anderen Warlords nichts mit dem Mord zu tun hatten, und Rock war geneigt, ihm zu glauben. Die Chinks legten keinen Wert auf Schlagzeilen. Wer so dumm war, ihnen auf die Füße zu treten, verschwand einfach auf Nimmerwiedersehen im Chop Suey. Das war‘s. Doch hatte Lu von einer obskuren Sekte gehört, deren Anhänger die Rückkehr des „Postman“ verkündeten. Wer auch immer dieser Postman sein mochte. Deren liturgische Verrichtungen waren, sofern man Gerüchte als bare Münze nehmen wollte, durchaus mit der Schweinerei in Sugarhill vergleichbar.

Es war zu spät, um heute noch dieser Spur zu folgen, also beschloss Rock, sein Ohr für ein paar Stunden aufs Kissen zu betten. Als er über den langen, dickdarmartigen Flur schritt, der zu seinem Appartement führte, kam ihm kurzfristig der Gedanke, karrieremäßig eine falsche Abzweigung genommen zu haben. Doch war diese Eingebung weder neu noch sonderlich originell, also zuckte er mit den Schultern und widmete sich der alltäglichen Routine, am Leben zu bleiben.

„Howdy Joe.“ Der dicke blaue Brummer umschwirrte zu jeder Tages- und Nachtzeit die Funzel neben der Öffnung zur Feuerleiter. Insgeheim hegte Coach einen gewissen Respekt für Mr. Cynomyia Mortuorum, der, wenn man’s genau nahm, nichts anderes tat, als all die anderen dort draußen auch: fliegen, brummen, fressen, vögeln - und sich der Illusion hingeben, dass all das am Ende schon irgendwie einen Sinn ergeben würde. Was es natürlich nicht tat. Was es niemals tat.

„Du sprichst mit ‘ner Fliege, Coach?“ Es war eine weibliche Stimme, die hinter seinem Rücken erklang. Der Bulle riss die Knarre aus dem Holster, den Finger am Abzug, wirbelte herum und zielte, mit der festen Absicht, einen Bauchschuss zu landen, in die Finsternis vor seiner Nase. Leslie LaDivina, eingehüllt in einen nachtschwarzen Umhang, trat langsam in das scharfkantige Dreieck aus Licht. Ihr rotes Haar floss wie ein Strom aus geschmolzenem Kupfer über die weichen, weißen Schultern. Die katzenhaften Augen, Kajal gerändert, waren wie glühende Kohlen. Das selbst bei dieser Beleuchtung anbetungswürdig schöne Gesicht, strahlte blass und transparent wie antikes chinesisches Porzellan.

„Vielleicht solltest du gelegentlich ‘ne Lady zu Dir einladen, und sei’s auch nur, um den Klang einer Stimme zu hören, die nicht deine ist.“

Rock ließ die Knarre sinken und versuchte ein leichtes Zittern zu unterdrücken. „Eine Sekunde später und Mister Guaiwei Ji hätte die Dame ohne Unterleib präsentiert.“

„Der gute Lu weiß eine Pussy durchaus zu schätzen, aber es ist meine Kehle, etwas weiter oben, die sein Herz erfreut. – Darf ich eintreten oder hast du Whiskey und Soda auf dem Flur?“

„Komm rein, aber putz Dir gefälligst die Schuhe ab“, knurrte Rock.

 

Als sie im Wohnzimmer standen, zog er den Trenchcoat aus, warf ihn achtlos auf das ungemachte Bett, stemmte die Fäuste in die Hüften und betrachtete seinen Gast ausgiebig von oben bis unten.

„Was treibt dich in meine starken Arme, Les?“

„Träum weiter, Schlapphut.“

Er reichte ihr einen Drink, der in jedem städtischen Waisenhaus als echte Herausforderung gegolten hätte. Sie kippte den Scotch in einem Zug die Kehle hinab, während er unverhohlen und durchaus wohlgefällig ihre sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale taxierte.

„Vorsicht. Verbrenn Dir nicht die Augen.“

Rock probierte sein charmantestes Lächeln, was ungefähr so überzeugend wirkte wie ein Eisbär auf der Fifth Avenue.

„Ist schon ’ne Weile her, scheint aber alles noch an den richtigen Stellen zu sein.“

„Wenn Du das sagst …“

„Ich nehme an, Du bist nicht gekommen, um Komplimente auszutauschen.“

Sie hielt ihm das leere Glas hin, er schenkte nach. „Was wolltest du von Lu, Copper?“

Rock schnalzte mit der Zunge. „Daher weht der Wind. Warum fragst du nicht ihn? Morgen beim Frühstück vielleicht.“

„Geht’s um die Sugarhill-Sache?“

„Keine Ahnung, wovon Du sprichst.“

„Genau. Und meine Mom hat mich in einem Weidenkörbchen auf dem Clam-Chowder-River gefunden. - Hör zu, egal, was Lu Dir gesagt hat, Du solltest ihm nicht trauen.“

Coach fackelte sich mit dem Feuerzeug eine Kippe und die Bartstoppeln ab. „Was geht Dich das an? Oder anders gefragt: Was hast du damit zu schaffen?“

Sie erhob sich anmutig und wandelte mit aufreizendem Hüftschwung durch den Raum. „Schon mal was von der First Church Of The Holy Postman gehört?“

Das war genau der Name, den Lu nach peinlicher Befragung genannt hatte. „Noch nie“, behauptete Rock. Leslie trat vor, nahm sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und studierte aufmerksam die verräterischen Kontraktionen der Iris. „Verdammter Lügner.“

„Ein starkes Wort - für eine schwache Frau!“

„Es gibt größere Dinge im Leben als dich und mich, Rock.“

„Elefanten zum Beispiel, stimmt. Aber die sind relativ selten in Radio City.“

Sie knallte das Glas so heftig auf den Tisch, dass ein Teil der bernsteinfarbenen Flüssigkeit über den Rand schwappte. „Ich rede von Gott!“

„Hab‘ ich richtig verstanden? Du meinst den Gott? Vater unser, der du bist im Himmel, und so.“

Sie schien zu überlegen, ob es angeraten sei, alles zu sagen.

„Unser Gott ist der Postman.“

„Jetzt wird’s interessant.“

„Willst du hören, was ich zu sagen habe, oder ist Lu Jun die einzige Quelle, der du Glauben schenkst.“

Coach hob beschwichtigend die Arme. „Reg dich ab, Babe. Halt ja schon die Klappe. Erzähl mir einfach, worum es geht.“

 

Das Vereinshaus der First Church Of The Holy Postman’ lag in einer jener unterprivilegierten Viertel, in denen die Opiumpfeifen niemals erloschen und die Pupillen der Träumer mit Stecknadeln an ihren ausgezehrten Schädeln befestigt waren.

„Der Mond sieht aus wie ’n verrosteter Silberdollar. Hoffe, du hast Deine Knarre dabei, Pops.“ Tommy McGuire stand neben dem Cab und polierte aufreizend den Schaft einer abgesägten Schrotflinte. Lieutenant Coach schnaubte verächtlich und schüttelte seine Testikel. „Der Letzte, der das wissen wollte, liegt six Feet under, Tommy-Boy!“

Leslie LaDivina hob spöttisch eine Augenbraue, als wollte sie sagen: „Jungs und ihre Spiele!“ – zog es aber vor, in Schönheit zu schweigen.

Der Mann, der die aus rohen Brettern gezimmerte Tür öffnete, warf Coach einen tödlichen Blick zu; als er jedoch bei Leslie ankam, verwandelte sich das grimme Stieren in eine Wiese voller Butterblumen.

„Hello Miss, schön Sie zu sehen.“

„Hello, Boozehound. Das sind Lieutenant Coach vom Radio City Police Departement und sein Freund Tommy McGuire. Wir möchten Doc Watson sprechen.“

Boozehound taxierte den Bullen durch die Augenschlitze. „Police Departement, eh?“

„Genau, Kumpel. Soll ich dir‘n Weihnachtslied singen, oder reicht der Abdruck meiner 45er auf deiner Stirn?“

Boozer spuckte einen Priem Kautabak mit erstaunlicher Präzision knapp einen halben Millimeter an Rocks linker Schuhspitze vorbei, dann zog er die Tür gerade so weit auf, dass sie mit angehaltenem Atem hindurchschlüpfen konnten. Im Inneren herrschte eine seltsam diffuse Atmosphäre. Der Raum, durch den sie schritten, war niedrig, voller Rauch und erstreckte sich so weit, dass ein Ende nicht zu ermessen war. Offenbar handelte es sich um eine alte Lagerhalle oder ein still gelegtes Schlachthaus. Verhaltenes Stimmengewirr rollte als Echo über die kahlen Betonwände. Nur gelegentlich schälten sich einzelne Worte heraus: Sünde, Tod, Verdammnis, Postman! Links und rechts fläzten sinistere Gestalten in den mildtätigen Schatten und verbargen ihre zweifelsohne schuldigen Gesichter vor dem Auge des Gesetzes. Nach der Kleidung zu urteilen, waren es keineswegs die „Unteren Zehntausend“. Am gegenüberliegenden Ende stoppte Boozer vor einer stählernen Tür und einem davor postierten Schläger, der aus demselben Material gemacht schien.

„Das ist Hop Frog“, erklärte Leslie. „Ich würde niemand raten, ihm dumm zu kommen.“

Hop Frog nickte, ohne eine Miene zu verziehen. „Stimmt haargenau.“

„Kannst du uns bitte öffnen, Frog. Wir müssen den Doc sprechen.“

Der Torwächter machte keinerlei Anstalten, sich zu bewegen. Unablässig starrte er Rock ins Gesicht. „Der Scheibenschießer gefällt mir nicht“, erklärt er. „Sein Atem stinkt nach Blut.“

Coach setzte ein gewinnendes Lächeln auf. „Blut, ja? Okay, das hier ist meine Marke. Ich geh mal davon aus, Du kannst lesen, Froschkönig. Und jetzt möchte ich von Dir wissen, was Du heute Nacht, sagen wir mal zwischen zehn Uhr abends und ein Uhr morgens, getan hast.“

Frog entblößte zwei Reihen Grabsteine, die kreuz und quer in seinem Kiefer steckten. „Hab‘ mit deiner Mom Baseball gespielt, Plattfuß.“

Coach klemmte die Daumen hinter die Hosenträger und ließ sie bedrohlich knallen. „Der meint das ernst, Babe, oder? Ich glaub, der kennt mich nicht wirklich, aber er wird mich kennenlernen. Mehr als ihm lieb ist.“

„Ganz ruhig, Schwestern.“ Leslie drängte sich mit erhobenen Händen zwischen die Streithähne und vergaß auch nicht, Boozehound, der mit der rechten Hand in seiner Hosentasche spazieren ging, einen warnenden Blick zu verpassen. „Ich weiß, ihr seid große Jungs, und wenn Euch einer krumm kommt, wird er’s für den Rest seines jämmerlichen Lebens bereuen. Aber heute Nacht haben wir ausnahmsweise Wichtigeres zu tun, als uns gegenseitig die Nase zu massieren. Comprende, Muchachos?“

Boozehound, Frog und Lieutenant Coach nickten mit rotglühenden Gesichtern, als wären sie Erstklässler, die man dabei erwischt hat, wie sie wassergefüllte Kondome in die Mädchenumkleide werfen.

 

Der Raum hinter der stählernen Tür wirkte wie die Metro-Goldfish-Mayer-Version der Grabkammer von Königin „No-Free-Tittys“. Auch das Personal schien aus einem Historienschinken von Cecil B. DeMille entlehnt. Alle waren gekommen: Ägyptische Hohepriester, phönizische Bogenschützen, römische Gladiatoren und was die Rumpelkammer sonst noch so an schrägen Vögeln hergab. In der Mitte, erhöht durch eine mit Orientteppichen drapierte Empore zu der eine Showtreppe im „aztekischen Stil“ führte, saß, auf einem goldfarbenen Thron, von nubischen Sklaven im Lendenschurz flankiert, der notorische Doc Watson, Eingeweihten auch als „Professor Quack“, „Abortion-Angus“ oder „The Blithering Idiot“ bekannt.

„Ich werd‘ verrückt.“ Rock konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Haben Sie die Branche gewechselt, Meister? Bei unserem letzten Aufeinandertreffen standen sie noch mit rostigem Besteck über einen Küchentisch gebeugt, auf dem die Jungfrau Maria in absonderlichster Weise die Schenkel spreizte.“

Watson, gekleidet in ein Priestergewand aus dem Fundus von D.W. Griffith‘ „Intolerance“-Produktion, hob in dramatischer Geste den rechten Arm. „Wer hat diesen Schmock in den Tempel geführt? Er ist ein Ketzer!“

Entsetztes Raunen ging durch die Gemeinde. Alle Blicke richteten sich auf Coach und Tommy McGuire.

„Schön langsam, Doc. Wir sind nicht wegen dieser Zirkusnummer hier.“

Leslie LaDivina trat mit bleichem Gesicht nach vorn. „Ich habe Lieutenant Coach hierher geführt.“

Watson starrte sie aus blutunterlaufenen Augen an, das scharf geschnittene Antlitz von mehr als einem leichten Hauch des Irrsinns umfächelt. „Du? Eine Schwester des Großen Geistes? Du warst es? Warum?“

„Es hat noch einen Toten gegeben“, erklärte Leslie mit rauer Stimme. „In Sugar Hill. Heute Nacht.“

„Noch einen!“ Die Anwesenden schienen aus der Fassung zu geraten, schlugen die Hände vor den Mund oder reckten die Arme in Verzweiflung gen Himmel.

„Der Zorn des Postman übertrifft alle Erwartungen. Wir müssen handeln. Sofort.“

Rock Coach ließ die Hand unter die Jacke gleiten und packte den Griff seiner Dienstwaffe. Die Situation war keineswegs unter Kontrolle. Offensichtlich hatten die meisten der Anwesenden mehr als nur eine Dachschindel locker.

„Ganz ruhig, Leute. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon hier gesprochen wird. Wer ist der Postman, und was bedeutet: noch einen? Gab es andere Todesfälle?“

Watson stieß ein Kichern aus, das wie eine schlechte Imitation von Peter Lorre klang. „Wundervoll. Das sind die Männer, die unseren Schutz gewährleisten sollen. Hat man Ihnen möglicherweise nicht die ganze Wahrheit gesagt, Lieutenant?“

„Was meinen Sie damit?“

Der Doktor stolzierte die Treppe hinab und pflanzte sich breitbeinig vor Coach auf. „Es hat Dutzende Tote gegeben. Überall. Ströme von Blut fließen durch die sündhaften Straßen von Babylon, und niemand vermag das Unheil aufzuhalten. Niemand - außer mir!“

„Welches Unheil? Wovon reden Sie?“

Watson beugte sich nach vorn. Seine Stimme senkte sich zu einem Flüstern: „Ich spreche vom Postman!“, dann wandte er sich in einer vollendeten Pirouette der Gemeinde zu und wies mit dem Finger nach oben. „Gott ist gerecht, doch der Postman ist gerechter.“

Die Anwesenden skandierten im Chor: „Gott ist gerecht, der Postman gerechter.“

Tommy McGuire schob sich neben Coach. „Vorsicht, Copper. Wir sollten uns den Rücken freihalten. Könnte sein, dass ein schneller Abgang erforderlich ist.“

Coach nickte. „Du sicherst die rechte Flanke, ich die linke. Auf Warnschüsse kannst du verzichten. Immer zwischen die Augen, Dude.“

„Geht klar.“

„Ihr alle, auch Du, Ungläubiger, müsst nun erkennen, dass die Zeit gekommen ist. Der Postman hat gesprochen: Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab.“

Die Wirkung der Worte auf seine Anhänger wäre nicht dramatischer gewesen, hätte er die Clowns mit siedendem Öl übergossen. Männer und Frauen stürzten wie vom Blitz gefällt zu Boden, wanden sich in konvulsivischen Zuckungen und rissen die Kleider vom Leibe, als ob ihnen jede Berührung mit dem Stoff unerträgliche Schmerzen bereiten würde.

„Kenn‘ ich“, kommentierte Tommy McGuire ungerührt. „Ist ‘ne Szene aus Lusty Bathseba and the Seven Dancing Heretics! Hab‘ ich neulich erst im Kino geseh’n. Von wegen ,Lusty‘. Die haben die ganze Zeit gesungen und Ehebrecher gesteinigt.“

Leslie, die von alledem seltsam unberührt schien, trat neben Coach und nahm seine Hand. „Ich muss Dir etwas sagen, Rock.“

Ihr Haar glühte golden vor dem Widerschein der Fackeln. Die Lippen schimmerten feucht, und die dunklen, allesversprechenden Augen bargen Geheimnisse, für deren Ergründung der Papst einen Nagel vom Kreuz des Heiligen Jedediah geopfert hätte.

„Erinnerst du dich, diese eine Nacht, die wir im Chelsea Hotel verbracht haben …“

„Ich weiß, Babe. Ich habe nichts vergessen. Keine einzige Sekunde.“

„Darum geht es nicht.“

Der Tumult um sie herum nahm immer groteskere Züge an. Doc Watson, von Raum und Zeit entrückt, erspähte am Horizont das Himmlische Jerusalem.

„Was meinst du, Babe?“

Leslie stockte, schien um Worte zu ringen. „Diese Nacht … Sie ist nicht folgenlos geblieben.“

Rock Coach präsentierte jenen tumben Gesichtsausdruck, der für alle Männer charakteristisch ist, wenn sie erfahren, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als Baseball, Bier und Popeye den Seemann. „Du meinst, du bist … Wir sind …?“

„Sein Name ist Woodrow. Er hat deine Nase, meine Augen, dein Kinn und ist 3 Feet 4 Inches groß.“

Coach war nie ein Mann vieler Worte gewesen, doch diesmal schien ein Felsbrocken in seiner Kehle festzustecken. Er packte ihre Arme und zog sie leidenschaftlich an sich. „Babe …“ Sie stieß ihn weg, erregt, verwirrt, wie manisch an den Haarsträhnen zupfend.

„Du verstehst nicht. Du verstehst nicht, was um uns herum vorgeht, warum ich Dich hergebracht habe.“

„Wenn Du denkst, ich hätte diese armen Irren noch im Verdacht, kann ich Dich beruhigen. Das ist doch nur Doc Watsons Mardi-Gras-Umzug für Acidheads. Jede Wette, dass er diesen Schwachköpfen für die Nummer einen Sack voll Geld aus der Nase zieht.“

„Nein!“ Mit überraschender Heftigkeit rammte sie die Faust gegen seine Brust. „Der Postman, darum geht’s!“

„Welcher verdammte Postman, Honey? Wer ist das, und was hat er mit alldem hier zu tun?“

In Leslies Augen war ein irres Flackern, als sie sagte: „Der Postman ist derjenige, der uns bestraft. Er hat all die Menschen getötet, auch den letzten in Sugar Hill. Er verlangt Buße von uns. Buße und ein Opfer für die Vergebung unserer Sünden!“

„Opfer? Buße? Das ist doch Bullshit …“

„Schweig, und hör mir zu. Das Orakel hat mich bestimmt. Ich werde meinen Leib hingeben, um den Zorn des Großen Geistes zu besänftigen.“

„Hey, Babe, hat dir jemand was in den Drink getan? Was du da redest, ergibt nicht den geringsten Sinn …“

Leslie entfernte sich, Schritt für Schritt rückwärtsgehend, von Rock und Tommy McGuire. „Nein! Du hast den Postman nicht gesehen. Ansonsten wäre dir klar, dass es keine Wahl gibt. Ich will nicht, dass mein Sohn wie die Anderen sterben muss. Ich tue das für ihn – und für dich. Wenn ich nicht mehr bin, wird er keinen Menschen auf der Welt haben - nur seinen Vater, Lieutenant Rock Coach vom Radio City Police Department!“

Doc Watson trat hinter Leslie, packte ihre Schultern und rief mit einer Stimme wie zersprungenes Glas: „Die Stunde ist da! Weiche zurück, Ungläubiger. Postman, erhöre uns!“

Rock Coach zog seinen getreuen „Friedensengel“, zielte mit tödlicher Kälte im Herzen auf die Stirn des irren Predigers und rief: „Tommy-Boy, es geht los. Gefangene werden nicht gemacht.“

Exakt in dem Moment erloschen mit einem Schlag die Lichter in seinem Kopf, und die Welt ringsumher versank in einem Strom aus wirbelnden Bildern.

 

Lieutenant Coach saß in Tommy McGuires Taxi, das mit rasender Geschwindigkeit durch die nächtliche City brauste. Lichter flogen wie Sternschnuppen am Fenster vorüber, verwischten zu bunten Schlieren und lösten sich in heftigen Explosionen auf, gleich Farbbeuteln, die von unsichtbarer Hand gegen die Fenster geschleudert wurden. Dünner, ausgefranster Rauch hing in der Luft, sowohl innen als auch außen. Rauch, der, an silbernen Fäden aufgehängt, fast schwerelos zu Boden glitt und dabei sanft im Fahrtwind hin und her schwang. Rock hatte den Eindruck, dass sein Kopf ein alter Blechkanister sei, in dem zu Streichen aufgelegte Zwerge mit einer Bleikugel Baseball spielten. Seine Augen schmerzten, und er hatte Probleme damit, die Sehschärfe zu justieren. Er wusste, dass er sich besser an etwas erinnern sollte, doch seine Gedanken waren wie ein Schwarm Krähen über einen regendunstigen Nachmittagshimmel; sie stiegen auf, stoben auseinander, fanden erneut zusammen und verteilten sich schließlich über einem lichtlosen Horizont vollkommener Einsamkeit. Auf seiner Zunge lag ein Geschmack nach glühendem Metall, in den Ohren rauschte das Blut wie der Rio Grande. Ein schmales Rinnsal floss den Hinterkopf hinunter, am Kragen vorbei zwischen die Schulterblätter, doch konnte Rock beim besten Willen nicht sagen, ob es Schweiß, Regenwasser oder sein kostbarer Lebenssaft war. Vielleicht alles zusammen.

Radio City wirkte in diesem Rausch aus Geschwindigkeit, Farben und Formen wie das Innere einer wahnwitzigen Maschine, wie eine groteske Ansammlung aus Rimlockpentoden, Verstärkern, Glühbirnen, Relais und Dioden. Coach lag mehr als dass er saß auf der Rückbank und starrte, immer noch halb betäubt, auf die Silhouette von Tommy, der, die fleckige Schirmmütze in den Nacken geschoben, das Lenkrad geschickt mit den Knien dirigierte. Etwas störte an diesem Bild, doch er kam ums Verrecken nicht drauf, was das sein mochte.

„Wo fährst du hin?“ Seine Worte klangen für die eigenen Ohren als kämen sie aus den Tiefen eines Abwasserkanals, dünn, hohl und von aberwitzigen Echos gejagt. „Mein Kopf fühlt sich an wie ’ne Grapefruit.“

„Alles in Butter, Chef. Kein Grund zur Panik. Tommy-Boy wird Sie schneller aus der Stadt bringen, als ‘ne Pussy ,Fünfzig Piepen‘ wispert!“

Es war Tommys Stimme, kein Zweifel, und doch schien sie auf seltsame Weise fremd. Sie klang, als käme sie aus dem falschen Mund, ja vielleicht sogar aus dem falschen Körper.

„Was ist passiert? Ich kann mich an nichts erinnern …“

„Invasion“, sagte McGuire. „Invasion vom Mars. Widerliche, insektenhafte Außerirdische mit zitternden Fühlern und Facettenaugen. Sie haben die ganze Stadt erobert. Das Militär ist geschlagen, Luftwaffe, Heer und Marine - alles zerstört. Der Präsident hat sich nach Österreich abgesetzt. Verdammte Kommunisten, diese Marsianer, wenn Sie mich fragen. Alles verdammte Kommunisten.“

Coach begriff nicht, was er da gehört hatte.

„Außerirdische? Hast du was geraucht, Tommy?“

„Mister Welles hat’s im Radio gebracht. Er war dabei, als die gekommen sind.“

„Mister Welles?“

„Ja, der Schauspieler. Orson Welles. Nie gehört?“

Rock warf einen Blick durch das Fenster. Ein steter Regen verschmierte die Scheiben, doch auf den Bürgersteigen wimmelten die üblichen Nachtschwärmer, die Theater waren geöffnet, die großen Kinopaläste mit ihren überdimensionalen Leuchtreklamen strahlten wie Sternschnuppen. „Da hat dich jemand ganz schön verkohlt, Tom. Schau doch mal raus: Überall Menschen auf den Straßen!“

„Das sind keine Menschen“, entgegnete McGuire. „Das sind außerirdische Superinsekten. Die haben den richtigen Menschen Gehirne, Knochen und Eingeweide rausgesaugt. Durch die Nasenlöcher. Dauert nur ein paar Sekunden. Danach schlüpfen sie in die leeren Hüllen. Niemand ist sicher. Traun sie nicht mal Ihrer Mutter!“

Coach tastete nach seinem Schießprügel, doch der Holster war leer. „Woher weißt du das alles?“

McGuire wandte den Kopf. „Na, was glauben Sie denn? Was glauben Sie, woher ich das weiß, Boss?“

Jetzt wurde Rock klar, was ihn gestört hatte! Da waren sie, die Fühler! In den Facetten der Pupillen wurden seine vor Schreck weit aufgerissenen Augen tausendfach gespiegelt. Doch das Schlimmste: inmitten des pelzigen Gesichtes öffnete sich, einer Vulva nicht unähnlich, das gierige kleine Maul, von oben nach unten geschlitzt, und eine dünne Zunge - oder ein Saugrohr - schlängelte höhnisch wippend wie der Kopf einer Schlange daraus hervor. Coach war völlig hilflos, konnte sich vor Angst nicht rühren. Näher und näher kam das Höllending. Schon im nächsten Moment, würde es seine Nase berühren, und dann … und dann …!

 

„Was meinen Sie, Boss?“, fragte Tommy.

Lieutenant Coach saß in McGuires Taxi, das mit rasender Geschwindigkeit durch die nächtliche City brauste.

„Wie … Was ist …?“

„Sie sagten: ,Weg mit dir, du Ungeheuer‘ . Und ich fragte, was Sie damit meinen?“

Coach packte seine Schulter und riss ihn herum. Kein Zweifel - das war der echte. Hässlich wie die Kreatur aus der Blauen Lagune - aber eindeutig Bronx!

„Ganz ruhig, Boss. Da hat Ihnen der alte Boozer ‘ne hübsche Kopfnuss verpasst. Sie sind noch ganz verwirrt.“

„Boozer? Boozer! Jetzt weiß ich wieder. Was ist passiert? Wo ist Leslie?“

„Immer der Reihe nach. Während Sie damit beschäftigt waren, feuchte Wimpern zu bekommen, hab‘ ich unauffällig mein Glasauge in die Luft geworfen. Deshalb ist mir nicht entgangen, dass sich Boozer und Hop Frog mit bleigefüllten Socken bewaffnet hatten.“

„Verdammte Hölle!“ Coach betastete die hühnereigroße Beule an seinem Hinterkopf. „Warum haben sie dich verschont?“

„Wer sagt das? Haben die natürlich nicht! Ich bin seit dreißig Jahren Taxifahrer. Da lernt man, vorbereitet zu sein. Unter meiner Kappe ist ‘ne Stahlplatte. Ich musste nur so tun, als ob der Stecker gezogen wäre, danach hat sich keiner um mich geschert.“

„Und warum sind wir noch am Leben?“

„Die hatten kein Interesse an uns. Denen geht es wirklich nur um diesen verdammten Postman. Nachdem wir außer Gefecht gesetzt waren, schien Leslie allerdings nicht mehr ganz zufrieden mit ihrer Rolle als Fay Wray. Sie fing an zu krakeelen, und das eine oder andere Schienenbein musste auch dran glauben. Erst nachdem ihr der Doc ‘ne Spritze verpasst hatte, wurde sie deutlich anschmiegsamer.“

Coach packt die Rückenlehne des Beifahrersitzes und drückte, bis die Fingerknöchel Weiß hervortraten. „Diese Mistkerle. Sie haben das Mädchen unter Drogen gesetzt.“

McGuire nickte in den Rückspiegel. „Haargenau. Allerdings hatten sie nicht damit gerechnet, dass die Instinkte einer Mutter stärker sind als jeder gottverdammte Highball. Sie wollte ihr Kind in sicheren Händen wissen. Schätze, von nun an gibt’s zum Vatertag ’ne Flasche Kräuterlikör und ein selbstgemaltes Bild, Daddy.“

„Wir müssen Leslie retten. Und den Jungen! Ich werde jeden gottverdammten Mann in jedes gottverdammte Rattenloch schicken …“

„Lassen Sie die Luft raus, Lieutenant. Was glauben Sie, worum es hier geht.“

„Du meinst …“

„Sie hör ’n mir nicht zu. Verstehe gar nicht, wie Sie dann so‘n guter Cop werden konnten.“

„Raus mit der Sprache, bevor ich Deine Rippen massiere!“

„Na, wir zwei Beiden haben da hübsch am Boden gelegen - Sie ungefähr so weit weg wie Shangri-La von Gunshot Point, ich ein bisschen dichter dran. Derweil ist die ganze Narrenkarawane in Autos gestiegen, um sich auf den Weg zum großen Finale zu machen. Erinnern Sie sich an King Kong und die weiße Frau? Ich schätze, darum geht’s. Irgend ’ne Schönheitskönigin wird an Pflöcke gebunden, dann kommt der große haarige Lover, die Anwesenden klopfen ,Oh, du mein Chinatown‘ auf ihren selbstgebastelten Bongos und schon ist die Welt gerettet.“

„Was redest du da für einen Schwachsinn …“

„Hey, Sie brauchen nicht gleich sauer zu werden. Ich hab‘ das nicht erfunden. Alles, was ich in dem Moment tun konnte, war, mit geschlossenen Augen dazuliegen und mir die Geschichte vom Postman anzuhören.“

„Und wer, zum Teufel, ist der Postman?“

„Tja, das hab‘ ich leider nicht ganz verstanden. Nur, dass er ziemlich groß ist. Ich meine, richtig groß - riesig! Und dass er auffallend schlechte Laune hat. Zerquetscht alle Nase lang harmlose Bürger. Dabei immer schön demokratisch: Reiche genauso wie Arme, Junkies wie Pfaffen, Huren wie Töchter der amerikanischen Revolution. Der Bürgermeister und der Polizeichef haben versucht, die Angelegenheit, so gut es eben ging, unter den Tisch zu kehren. Macht schließlich keine gute Presse. Funktionierte auch ’ne Zeitlang, weil die meisten von denen weit draußen in der Wüste Hopps gingen. Und genau dahin bringen Doc Watson und seine Horde jetzt die gute Leslie, um sie dem Postman als Opfergabe zu kredenzen.“

„Der genaue Ort! Wo wird das stattfinden?“

Tommy öffnete das Handschuhfach, schnappte einen Revolver und reichte ihn Coach. „Erst mal die wichtigen Dinge. Schätze, die werden ihre Voodoo-Puppen-Nummer nicht ohne Gegenwehr absagen.“

„Den Ort, Tommy. Schnell!“

„Cucaracha Bottom. Der schönste Platz der Erde. Selbst die Toten meiden ihn.“

 

Eine orangefarbene Sonne war im Sinken begriffen. Schatten krochen wie Nattern über den schrundigen Boden. Feiner Sand wurde von einem stetig aus Nordwest wehenden Wind in wellenförmigen Mustern über die Dünen getrieben. Tommy parkte sein Taxi neben einem halbverfallenen Pueblo, das aus der Ferne wie ein überquellender Aschenbecher aussah. Passend dazu hatten Werbestrategen eine Botschaft auf die bröckelnden Mauern gepinselt: „Guano Filter - Enjoy the Flavor“. Wer das hier im Outback lesen sollte, würde wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Coach, den Colt entsichert in der Hand, stand am Rand einer Abbruchkante, den Fedora in den Nacken geschoben, und musterte aus zusammengekniffenen Augen die unter ihm oszillierende Tiefebene. Nichts. Da war nichts.

„Bist Du sicher, dass Watson Cucaracha Bottom gesagt hat?“

„So sicher wie ‘n Rüde seine Eier leckt.“

Coach nickte. „Komm, wir schauen uns das mal näher an.“

Ihre Füße versanken bis zu den Knöcheln im Sand, während sie fluchend und immer wieder Halt suchend den Abhang hinunter stolperten. Am tiefsten Punkt angekommen, schien der Wind an Stärke zu gewinnen und blies messerscharfe Sandkristalle in ihre Gesichter. Zehn Minuten liefen sie wortlos nebeneinander her. „Da“, rief McGuire und wies auf eine halb verwehte Straße, die aus dem Nirgendwo kam und auch genau dorthin wieder führte. „Reifenspuren.“

„Yep. Wer auch immer das war, kann erst vor kurzem hier gewesen sein. Anderenfalls hätte der Sand schon alles begraben.“

Sie folgten den Abdrücken in Richtung Skeleton Point, der durch zwei versteinerte Baumruinen am Horizont markiert wurde. Plötzlich blieb Coach stehen und blickte irritiert auf seine Schuhe. „Siehst du auch, was ich sehe, Tommy-Boy?“

McGuire schien ratlos. „Hier ist nur gottverdammter Sand. Ach ja, und der Skorpion, der gerade in mein Hosenbein kriecht.“

Der Lieutenant ging in die Hocke, griff in den Sand und ließ ihn durch die Finger rieseln. „Stimmt. Und die Farbe?“

McGuire kratzte sich am Kopf. „Schwarz. Schwarzer Sand. Seltsam. Hab‘ ich noch nie gesehen.“ Er nahm eine Handvoll. „Das Zeug ist feucht. Obwohl wir in der Wüste sind. Hier hat’s bestimmt seit dem Bürgerkrieg nicht mehr geregnet. Kapier ich nicht.“

Coach betrachtete eingehend seine Handflächen. Sie waren rot. Rot und klebrig. „Der Sand ist schwarz von Blut“, erklärte er, und seine Stimme klang, als käme sie aus Dantes gottverdammten Inferno. Tom sprang entsetzt auf und hob in einem grotesken Square-Dance abwechselnd den linken und den rechten Fuß. „Verdammt. Verdammt. Verdammt. Meine Schuhe. Blut. Was, zum Teufel, ist hier los?“

Rock erhob sich und musterte die allumfassende Leere, in der sie standen: Zwei winzige schwarze Punkte im Nirgendwo. „Es bedeutet mit Sicherheit nichts Gutes.“

„Was sollen wir tun, Boss?“

Der Lieutenant schien die Frage zu ignorieren. Erst eine halbe Ewigkeit später drehte er sich um. Der Ausdruck in seinen Pupillen signalisierte Entschlossenheit. „Wir brauchen Verstärkung. Die Sache ist heiß geworden, Tommy. Du fährst zurück in die City und verständigst Litvak und Houseman. Ich will jeden verfügbaren Mann hier haben, inklusive der Fußkranken und geistig Unterbelichteten.“

McGuire starrte ihn an. „Und Sie, Coach?“

„Ich bleibe hier. Ich muss Leslie finden. Das heißt, wenn es da noch was zu finden gibt.“

„Aber … aber … all das Blut und keine einzige Leiche. Wo sind die Körper hin?“

„Ich weiß es nicht. Vielleicht vergraben. Oder mit den Automobilen weggeschafft. Wie auch immer. Es scheint, dass Doc Watson den Postman mit seiner Version von Hellzapoppin‘ nicht wirklich besänftigen konnte.“

 

Rock sah dem immer kleiner werdenden Chevy nach, der eine Sandfahne wie einen schmutzigen Brautschleier hinter sich herzog. Er war allein. Jetzt konnten die Dinge ihren Lauf nehmen. Der Lieutenant zog das Jackett aus und warf es zu Boden. An diesem Ort erfüllte es keinen Zweck. Vielleicht würde es nie mehr einen Zweck erfüllen. Die Wetten stehen gegen dich, sagte eine Stimme in seinem Kopf. Du bist zu jung zum Sterben, aber zu alt, um das hier zu überleben. Er wollte wenigstens noch den eigenen Sohn in Armen halten. Er wollte Leslies Morgenduft nach Veilchen und orientalischen Früchten einatmen, ihr süßes, samtzartes Fleisch mit der Zunge liebkosen. Er wollte gemeinsam mit ihr alt und grau und dement werden. Was konnte es Schöneres geben?

Um ihn herum war die Stille so umfassend, als befände er sich irgendwo am tiefsten Punkt der Erde. Keine Seele weit und breit. Nicht einmal Vögel am Himmel. Auch keine Geier. Ein gutes Zeichen? Vielleicht. Was mochte hier passiert sein? Unmöglich, dass dermaßen viele Menschen innerhalb so kurzer Zeit starben und keine einzige Spur hinterließen. Etwas musste da sein. Etwas, das er finden würde. Er fing an zu suchen. Eine halbe Stunde, vielleicht etwas länger, rannte er wie ein Besessener vor dem Flammenofen der untergehenden Sonne, die Nase auf den Boden gerichtet, alle Sinne in Alarmbereitschaft. Dann sah er es, halb vergraben im Sand: Eine Brille, zerdrückt, die Gläser gesprungen. Er hob sie auf, dann nickte er. Vor noch nicht einmal vierundzwanzig Stunden hatte er diese Brille an ihrem angestammten Platz gesehen: Auf der Nase von Bürgermeister Houseman! Die ehrenwerte Stadt Radio City würde sich ein neues Oberhaupt suchen müssen, soviel stand fest. Und wo Houseman seinen letzten Seufzer getan hatte, dürfte Litvak nicht weit gewesen sein. Doch hier war nichts. Nichts, was man mit Händen fassen konnte. Nur der Atem des Todes. Und der Geruch nach Blut und Fleisch, das seine Struktur unter massiver Gewalteinwirkung verloren hatte. Es war eine letzte Warnung: Renn, so schnell du kannst, mein Junge! Renn!

Leslie - immer wieder lauschte er dem Klang ihres Namens, tief drinnen in seiner lederspeckigen Bullenbrust. Nichts ist schlimmer als ein harter Kerl, der weiche Knie bekommt. Du bist immer gut allein klargekommen, sagte die Stimme, hast dich nie einen Deut um die Belange Anderer geschert, es sei denn, sie hatten die Unvorsichtigkeit besessen, sich von einer Kugel oder einem Messer erwischen zu lassen. Erinnerst du dich an den großen Brand im Waisenhaus vor sechs Jahren. Die ganze verdammte Stadt hat geheult, nur du hast in deiner Höhle gesessen und an die Wand gestarrt. Ohne Tränen. Nicht mal eine. So ein Typ bist du, Copper. Und dann kommt so ein Püppchen mit lila Schleifen im Haar und einem Lächeln, das an jedem Ort der Welt und zu jeder Tages- oder Nachtzeit die Sonne aufgehen lässt, und – Schwupp! – das war’s dann mit dem harten Kerl. Verpass dir ’ne Kugel, Copper, und begrab dich gleich hier an Ort und Stelle, damit die Kojoten mit deinen Knochen „Fang mich“ spielen.

Rock blieb stehen. Das heißt, vielleicht hatte er schon die ganze Zeit gestanden, ohne es bemerkt zu haben. Er sah hinter sich. Das Pueblo war nur noch eine Schattierung von Grau vor einem bedrohlich wirkenden Himmel. Da waren seine Spuren im Sand, halb verweht, und doch das einzige Zeichen menschlicher Präsenz an diesem gottverlassenen Ort: Cucaracha Bottom. Kakerlaken-Arsch. Irgendwie doch zutreffend. Die Sonne brannte trotz der fortgeschrittenen Stunde mit erlesener Unerbittlichkeit. In seinem Kopf liefen die Gedanken wie eine aufgescheuchte Lämmerherde im Kreis: Rimlockpentoden, Verstärker, Glühbirnen, Relais, Aschenbecher, Guano-Filter, Cucaracha Bottom, King Kong. Irgendwie bildeten diese scheinbar zusammenhanglosen Begriffe eine Gedankenkette - nur gelang es ihm nicht, deren Enden zu fassen. Und trotzdem, in diesen Worten steckte die Lösung. Er war so sicher wie niemals zuvor seit dem großen Catch-Crowbar-Kettensägen-Massaker von Achtundzwanzig.  Bang! Bang! Bang! Zerquetscht wie lästiges Ungeziefer! Aber wie? Warum? Wer hatte die Macht, das zu tun? Rock sah sich um, als würden die Antworten auf diese Fragen am Horizont erscheinen.

Ein plötzlicher Windstoß trieb Bündel von Steppengras vor sich her. Das Licht schien zu Glas erstarrt. Die Sonne, so weit entfernt wie eine andere Galaxie, glühte in bleiernem Rot. Der Lieutenant hob, einer plötzlichen Eingebung folgend, den Kopf und sah über sich, gleich dem Flaggschiff exterrestrischer Invasoren oder Belsazars Menetekel, einen gigantischen Schriftzug am Himmel aufleuchten: SCHÄDLINGS-INVASION IN NEW YORK CITY! GESUNDHEITSBEHÖRDE SCHLÄGT ALARM! WO, ZUM HENKER, STECKT DER BÜRGERMEISTER, WENN MAN IHN BRAUCHT? (LESEN SIE DEN AUSFÜHRLICHEN BERICHT UNSERES SONDERKORRESPONDENTEN ART BUCHWALD AUF SEITE SECHS)

In diesem Moment, genau in diesem Moment, hatte Rock Coach die Lösung des Falls vor Augen – nicht nur die Lösung des Falls, sondern auch die Bedeutung seiner gesamten Existenz; ja, die Bedeutung der Existenz aller Kreaturen in Radio City! Er überlegte fieberhaft, wie er genügend Zeit gewinnen konnte, um es den Anderen, den Ahnungslosen, mitzuteilen. Doch ein weiterer Blick nach oben genügte, ihn zu überzeugen, dass es dafür nun endgültig zu spät war …

 

BANG!!! 

 

Art Accord, sechsundfünfzig Jahre alt, ehedem Postangestellter, jetzt Frührentner mit Gehbehinderung, hob die in Form einer Keule gewickelte Zeitung und betrachtete das Ergebnis seiner Attacke!

„Kakerlaken-Pizza“, knurrte er zahnlos und wischte den schleimigen Rest mit dem Lokalteil der New York Times in den überquellenden Aschenbecher („Guano Filter – Enjoy the Flavor“) zu den Anderen. Dann, nach einem kräftigen Schluck Double Damnation, widmete er sich dem uralten Röhrenradio und drehte an den Reglern, bis er einen Sender gefunden hatte, der Schlager aus den Vierzigern spielte.

„Nun, liebe Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer, präsentieren wir nonstop ein Potpourri beliebter Melodien aus jener längst vergangenen Epoche, in der ein Gent noch den Hut lüpfte, wenn eine Lady den Raum betrat. Wir beginnen mit der unvergessen Leslie LaDivina und ihrem Evergreen ,I’d cut my Baby’s Throat with a Switchblade Knife‘. Leslie LaDivina, meine Damen und Herren, begleitet vom Orchester Sammy Pumpkin …“

Und bereits nach wenigen Takten erklang die honigsanfte Stimme der lang, lang schon verblichenen Königin von Tin Pan Alley:

 

“The night is full of raindrops and the moon is almost gone.

I’m sittin’ in a ten-foot-cell and I feel so all alone.

My Baby, he’s just cold as ice, I saw him slowly die.

And ever since I smell his blood. In fact, I don’t know why …”

 

.   .   .

 

Epilog: Teer und Feder

 

Doktor Tarr und Professor Fether standen in ihrem Hochsicherheitslabor, angetan mit schneeweißen Kitteln und Handschuhen, gebeugt über einen handelsüblichen Rundkolben, und musterten scheinbar erfreut das hilflos darin zappelnde Lebenswesen.

„Blatta orientalis“, dozierte Fether, als befände er sich vor einer Gruppe Studenten in seinem Hörsaal, „besser bekannt als die gemeine Küchenschabe.“

Tarr nickte, blöde grinsend. „Jaja, die verdammte Apokalypse.“

„Sie sagen es, Doktor.“

Eine Tür aus Stahl versperrte den einzigen Zugang. Das Gebäude war so konzipiert, dass es einem unmittelbaren Angriff mit Atomwaffen getrotzt hätte. Nur zwei schmale, rechteckige Schlitze, die mit Panzerglas versiegelt waren, erlaubten einen Blick nach draußen. Wie durch Watte gefiltert, drang Gefechtslärm in den kühlen, von Neonröhren gesäumten Innenraum. Regelmäßig erbebte das Mauerwerk unter dem Lärm krepierender Geschosse. Die Schlacht tobte stündlich heftiger, doch die beiden Wissenschaftler nahmen kaum Notiz davon.

„Jetzt kennen wir die Antworten, Herr Kollege, doch leider zu spät“, konstatierte Fether.

„Die Wüste von New Mexiko. Das Manhattan-Project.“

„Korrekt. Die erste Atombombe. Eine Zeitenwende. Allerdings in einem gänzlich anderen Sinne, als wir das erwartet hatten.“

„Was genau ist passiert, Professor?“

„Ein Leck. Nur ein winziges Leck. Ein paar Räume wurden kontaminiert. Elf oder zwölf Mitarbeiter bekamen eine unbekömmliche Strahlendosis ab. Doch das war nicht der entscheidende Punkt. Menschen kann man zum Schweigen bringen.“

„Und wie? Hatte keiner von denen das Bedürfnis, an die Öffentlichkeit zu gehen?“

„Unschlagbare Argumente, Herr Kollege.“

„Und welche?“

„Eine Kugel in den Kopf und ein Loch in der Wüste.“

„Brillant. Aber, wie Sie bereits richtig konstatierten, das war nicht der entscheidende Punkt.“

„Nein. Langfristig bedeutsamer war die Tatsache, dass dort eine antike Musiktruhe stand, ungefähr so groß wie ein verdammter Kleinwagen. Und darin nistete seit alters her eine Kolonie dieser bemerkenswerten kleinen Allesfresser.“

„Generation Null!“

„Richtig. Die Schaben erhielten eine normalerweise tödliche Strahlendosis, doch bei ihnen hatte die Kontamination gänzlich andere Auswirkungen als bei den bedauernswerten menschlichen Probanden.“

„Sie entwickelten Intelligenz.“

„Nicht sofort. Es dauerte eine Weile, bis der Prozess einsetzte. Doch wenn Sie sich vorstellen, dass eine weibliche Schabe in ihrem etwa fünfmonatigen Leben um die dreihundertzwanzig Nachkommen produziert, werden sie ermessen, mit welchem Schub die Angelegenheit vonstattenging. Eine Sache war dabei entscheidend, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet. Durch die Existenz in dem alten Röhrenempfänger wurde die Population Tag und Nacht mit Informationen aus allen menschlichen Lebensbereichen versorgt: Politik, Wissenschaft, Kultur, Musik, Literatur, was auch immer. Und schließlich - niemand weiß genau zu sagen, wann - hielten sich unsere kleinen Ungezieferfreunde selbst für Homo Sapiens. Sie gründeten eine Stadt, Radio City, sie erbauten Häuser, Fabriken, Bahnhöfe. Sie kleideten sich wie Menschen, fuhren in winzigen Autos, bildeten soziale Gefüge. Ja, selbst ihre Probleme waren höchst menschlicher Natur: Alkohol, Prostitution, Bandenkriege, Rauschgift. Alles in diesem uralten Röhrenradio. Erstaunlich, nicht wahr?“

„Allerdings, Professor.“

„Einige Zeit später, die Kolonie war mittlerweile nach unseren Maßstäben in der Mitte des 20. Jahrhunderts angekommen, verschenkte der ursprüngliche Besitzer die Musiktruhe an seinen Schwager, einen gewissen Art Accord, der in Greenwich Village lebte und Briefträger war.“

„Mister Postman.“

„Stimmt. Wir wissen nicht genau, was geschehen ist. Tatsache scheint jedoch, dass der Lebensraum dieser kleinen Mistviecher nicht mehr für die rasch expandierende Population ausreichte. Einzelne wagten den Schritt hinaus in die Welt jenseits der Grenzen von Radio City. Ein im Übrigen auch bei den nicht mutierten Cucarachas wohlbekanntes Muster.“

„Und dort wurden sie von Mister Accord gejagt.“

„Erbarmungslos! Gejagt und getötet, lieber Doktor. Viele dieser bemerkenswerten und vernunftbegabten kleinen Wesen starben einen wirklich grausamen Tod. Bis sie irgendwann beschlossen, dass es damit nun sein Bewenden haben müsse. Eines Nachts schwärmten sie aus, entdeckten den alkoholisiert im Sessel neben seinem Radio schlummernden Postman und taten das, was ihrer wohlbegründeten Meinung nach, getan werden musste.“

„Sie fraßen ihn mit Stumpf und Stiel.“

„Yeah. Und zwar so schnell und so gründlich, dass Mister Accord nicht einmal die Zeit hatte, ,Down the hatch‘ zu rufen.“

„Köstlich. Einfach köstlich.“

„Wenn Sie meinen.“

„Falls ich das richtig verstanden habe, wurde damit das Ende der menschlichen Rasse eingeläutet.“

Bevor der Wissenschaftler Gelegenheit fand, zu antworten, schlug von außen etwas Schweres mit erheblicher Wucht gegen die Tür. Zurück blieb eine Delle im Stahlmantel. Dann folgte ein zweiter Schlag, danach ein dritter und dann ein vierter.

„Wir haben Besuch“, erklärte Tarr.

„Weder zu übersehen noch zu überhören.“

„Glauben Sie, dass wir eine Chance haben? Ich meine, die Menschheit.“

„Ganz ehrlich? Nein! Sie werden die Herrschaft übernehmen. Das steht völlig außer Frage. Sie existieren seit dreihundert Millionen Jahren. Sie haben alle Katastrophen überlebt. Sie sind härter als wir, widerstandsfähiger, zahlreicher und jetzt auch noch intelligenter - von ihrer Mordlust ganz zu schweigen! Homo Sapiens, die Sache ist gelaufen“

„Was denken Sie, was die mit uns machen werden, Professor Fether?

„Nun, exakt das, was sie mit den anderen bereits getan haben, Doktor Tarr.“

„Das wird nicht lustig.“

„Nein, vermutlich nicht, aber andererseits - das wird eine neue Erfahrung!“ Fether lächelte gedankenverloren und steckte sich eine Zigarette zwischen die Lippen. „Eine völlig neue Erfahrung, Herr Kollege!“

 

Abspann

 

The End

 

Nachtrag des Autors:

„Cockroach ist der englische Ausdruck für Kakerlake.“