Jürgen Habermas, Foto: ddp
Jürgen Habermas, Foto: ddp

Jürgen Habermas nebst Konsorten

Es überschritt das Laber-Maß der Studiosus Habermas,

Nach Meinung der Expertenrunde, bereits um eine volle Stunde.

Das Publikum, nebst Herrn Adorno, fühlte sich insgesamt „al forno“,

Denn draußen herrschten dreißig Grad – man sehnte sich nach einem Bad!

Doch wie im Rausch war Habermas, verlor darüber jedes Maß

Und wetterte und tobte weiter, ganz oben von des Geistes Leiter:

„Herr Kant“, so rief er in die Runde, „schlief niemals mehr als eine Stunde!

Daran, verdammt, woll’n wir uns messen und ihm zu Ehren auch nichts essen!

Denn NICHTS, so lehrt uns die Erfahrung, ist klüger als die geist’ge Nahrung,

Sie füllt den Mund mit hehren Worten und nicht mit eitlen Sahnetorten.“

Horkheimer raunte: „Ohne mich. Adorno, ich verlasse dich

Und fröne der Vernunft Kritik beim Sauerfleisch, dick in Aspik.“

Adorno sprach: „Ich folge dir, der Mann ist ja ein Tränentier.

Man soll sich, vor den Geistesgaben, zuvörderst an dem Gulasch laben.“

Der Studiosus stand düpiert, um nicht zu sagen, angeschmiert.

Es blieb allein, in blauer Bluse, gleich Petri schlummernd, Freund Marcuse!

 

Anmerkung zum Text:

Selbst die Größten ihrer Zunft, so beweist diese Episode aus den Lehr- und Wanderjahren des Philosophen Jürgen Habermas (*1929), waren genötigt, vor den Lorbeeren, ihr Handwerk zunächst einmal von der Pike auf zu erlernen. In der Kürze liegt die Würze, wie es so schön heißt – in Sonderheit an einem glühheißen Sommertag.

 

„Al forno“ ist italienisch und bedeutet „gebacken“.

 

Die wahre Natur des NICHTS beschäftigt die Philosophie bereits seit ihren vorsokratischen Anfängen. „In deinem Nichts hoff ich, das All zu finden“, schrieb Dichterfürst Goethe – und wer unter uns würde dem widersprechen?

 

Max Horkheimer (1895-1973) war Sozialphilosoph und einer der führenden Köpfe der sogenannten Frankfurter Schule, ebenso wie sein Kollege Theodor W. Adorno (1903-1969). Die Frankfurter Schule entstand am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main und knüpfte im Wesentlichen an die Theorien von Hegel, Marx und Freud an. Der junge Jürgen Habermas war Forschungsassistent sowohl bei Horkheimer als auch bei Adorno.

 

„…gleich Petri schlummernd…“ bezieht sich selbstredend auf den Apostel Petrus, den der Herr nach seiner Rückkehr von kontemplativer Einkehr im Garten Gethsemane erstmal wecken musste.

 

Herbert Marcuse (1898-1979), ein deutsch-US-amerikanischer Philosoph, schuf mit „Eros and Civilization“ (1955) und „One-Dimensional Man“ (1964) zwei grundlegende Werke zur Kritischen Theorie, als die die Frankfurter Schule auch bezeichnet wird. Er hatte damit großen Einfluss auf die Studentenbewegung in den Sechziger Jahren. Marcuse ist Habermas erstmals 1956 begegnet und war bestimmend für dessen weiteren beruflichen Werdegang.

 

Für den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804), Verfasser der „Critik der reinen Vernunft“ (1781) war Schlaf, ein «widernatürlicher Zustand einer Betäubung der Sinnwerkzeuge» und damit ein «Zustand des Unvermögens eines gesunden Menschen». Dass er allerdings nie mehr als eine Stunde geschlafen habe, ist doch wohl eher dem jugendlichen Überschwung des Studiosus Habermas zuzuschreiben.

 

 

Lieblingszitat von Jürgen Habermas: „Das Über-Ich ist die intrapsychisch verlängerte gesellschaftliche Autorität.“

 

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