Jaroslav Hašek

 

Der Autor sprach: „Es werde Bier!“, und ohne jegliches Gezier‘

 

Kredenzte man sogleich den Humpen. Da ließ sich Hašek auch nicht lumpen,

 

Nahm zunächst einen tiefen Schluck, erhob sich wie ein Mameluck,

 

Bestieg den Tisch in dessen Mitte, ganz wider jede gute Sitte,

 

Und rief, dort oben schwankend stehend, ich will mal sagen, weitestgehend

 

Der Wahrheit Schönheit halb verpflichtet, den Humpen seitwärts ausgerichtet:

 

 

 

„Der Fortschritt und die Reichsgesetze (Auf die ich mich sehr gerne setze!)

 

Sind wunderbar - sofern in Maßen! -, denn alle, die hier strunzdumm saßen,

 

Hat längst der Russe weggeschossen; so wurde das in Wien beschlossen,

 

Und es war gut, dass man das tat. Denn Pax, Ihr Römer, ist Verrat!

 

Wir müssen für den Kaiser leiden und tapfer aus dem Leben scheiden,

 

Dann wird der Geist zur Hölle fahren beim „Hosanna“ der Himmelsscharen!“

 

 

 

Und fiel bei diesem letzten Wort von „Obenhin“ nach „Ebendort“;

 

Mit Dreck besudelt rief er „Prost!“ - vom Beifall und vom Bier umtost!

 

Anmerkung zum Text:

Jaroslav Hašek (1883-1923) hat nur einen Roman geschrieben, und der blieb auch noch unvollendet – dennoch hat ihm dieses eine Werk unsterblichen Ruhm beschert. Die Rede ist selbstredend vom „braven Soldaten“, der von den haarsträubenden Kriegsabenteuern des Prager Hundefängers Josef Schwejk erzählt und ihn zu einer der ganz großen Schelmenfiguren der Literaturgeschichte machte. Doch auch sein geistiger Vater Jaroslav Hašek war eine äußerst farbige Persönlichkeit, die sich den Genüssen des Lebens nicht abgeneigt zeigte. 1910 wurde er Redakteur einer Zeitschrift, die „Welt der Tiere“ betitelt war, und da ihm die vorhandene Fauna offenbar nicht abwechslungsreich genug erschien, machte er es sich zur Aufgabe, dieselbe um einige bis dato unbekannte Exemplare zu bereichern, etwa einen „Urfloh“, über den er mit zahlreichen Wissenschaftlern in aller Welt ernsthaft korrespondierte, oder eine Papageienart, die es sich, laut Hašek zur Gewohnheit werden ließ, bis zur Besinnungslosigkeit Alkohol zu trinken. Überdies war er 1911 Mitbegründer der „Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“, deren Hauptziel darin bestand, die etablierten politischen Parteien zu karikieren und solchermaßen vor den Wählern bloßzustellen. Im Ersten Weltkrieg diente er zunächst in der k.u.k Armee, geriet in russische Gefangenschaft und schloss sich dort der Roten Armee an. Außerdem heiratete er eine russische Frau, obwohl er in Prag bereits verehelicht war und sogar einen Sohn hatte. In die Heimat zurückgekehrt, begann er mit der Arbeit am Schwejk, die er jedoch, durch eine kriegsbedingte Tuberkulose und seinen exzessiven Alkoholgenuss geschwächt, nicht vollenden konnte. Er starb am 3. Januar 1923 in Lipnice nad Sázavou.

 

Hašek war dafür bekannt, in den Kneipen Prags seine begeisterte Zuhörerschaft mit komischen Reden und frei erfundenen Geschichten zu unterhalten. Der k.u.k Monarchie stand er zutiefst feindselig gegenüber und war darüber hinaus nach seinen Kriegserfahrungen ein überzeugter Anti-Militarist, was sich im Schwejk niederschlägt.

 

Pax = lateinisch für Friede.

 

Hosanna = Ruf der Freude, des Jubel. Teil der Liturgie.

 

Mamelucken waren Angehörige eines ägyptischen Herrschergeschlechts bzw. Militärsklaven in zahlreichen islamischen Reichen.

 

Lieblingszitat von Hašek:

 

„Das Wahlprogramm des Kandidaten für den Wahlbezirk Weinberge, Jaroslav Hašek, umfasste sieben Punkte:

  1. Die Wiedereinführung der Sklaverei.
  2. Verstaatlichung der Hausmeister („auf die gleiche Weise wie in Rußland [..], wo jeder Hausmeister gleichzeitig ein Polizeispitzel ist“).
  3. Die Rehabilitierung der Tiere.
  4. Die Einrichtung von staatlichen Anstalten für schwachsinnige Abgeordnete.
  5. Die Wiedereinführung der Inquisition.
  6. Die Unantastbarkeit der Geistlichen und der Kirche („Falls ein Schulmädchen von einem Geistlichen defloriert wird“).
  7. Die obligatorische Einführung des Alkoholismus.“

 

Zitiert nach Wikipedia.

 

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