Sokrates

Sokrates, der alte Denker, demnach In-sich-selbst-Versenker,

Saß auf einem kahlen Stein, blickte tief in sich hinein.

Denn ihm lag dran, zu gebären, einen Satz, den Geist zu ehren

Und denselben zu erweitern, um sich damit zu erheitern.

 

„Ich weiß, dass ich weiß was bin“, haute irgendwie nicht hin.

„Weiß ich, dass ich gar nichts weiß?“, war genau derselbe Scheiß.

„Wissen macht den Bauern schlau“, fand er leidlich ungenau.

„Wer was weiß, erringt's durch Fleiß“, führte ihn aufs falsche Gleis.

Und auch „Weiß der Himmel“ klang irgendwie nach Abgesang.

 

Doch, ihr Leser, ganz zum Schluss traf der Kuss den Genius:

„Ich weiß, dass ich gar nichts weiß“ klang nach einem ersten Preis.

Dieser Satz schien ihm bereit für den Rest der Ewigkeit,

Worauf er sich absentierte, auf die Kneipe zumarschierte

Und auf seiner Stammtisch-Bank zwei bis drei Amphoren trank.

 

Anmerkung zum Text:

Der Grieche Sokrates (469 v. Chr. Bis 399 v. Chr.) gilt als einer der wichtigsten Philosophen für das Denken der abendländischen Welt. Gleichwohl muss gesagt werden, dass Herr Sokrates nichts Schriftliches hinterließ, so dass wir, in Bezug auf seine Theorien, nahezu vollständig auf seine Schüler Platon und Xenophon angewiesen sind. In einem Prozess vor dem athenischen Volksgericht unter anderem der „Gottlosigkeit“ angeklagt, blieb Sokrates standhaft bis zum bitteren Ende und leerte freiwillig den sprichwörtlichen Schierlingsbecher, obwohl er die Möglichkeit zur Flucht gehabt hätte. Seine Gattin war übrigens die nicht minder sprichwörtliche Xanthippe. Mag demnach sein, dass der Tod für Sokrates, wie es so schön heißt, durchaus auch „Erlösung“ war.

 

Der berühmte Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ begegnet uns in dieser Form erstmals beim römischen Philosophen Cicero. Die Einschränkung „in dieser Form“ soll bedeuten, die seit damals unterstellte Aussage des Sokrates ist auf einen schlichten Übersetzungsfehler zurückzuführen. Tatsächlich lautet die Sentenz im Altgriechischen nämlich „Ich weiß, dass ich nicht weiß“, was in der Tat einen völlig anderen Sinn ergibt, als „Ich weiß, dass ich nichtS weiß“. Soviel zum Nichtwissen.

 

Der kaum weniger berühmte Satz „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, wird übrigens auch Sokrates zugeschrieben. Demnach wollen wir ihm die „zwei bis drei Amphoren“ nach getaner Arbeit von Herzen gönnen. Andere haben für wesentlich weniger deutlich mehr bekommen.

 

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