Rezept für das perfekte Gedicht

Man nehme eine Prise Salz,

Ein halbes Pfund vom besten Schmalz,

Vermenge dies mit Sternenstaub,

Hinzu kommt junges Frühlingslaub.

Durch Tränen wird dann abgeschmeckt,

Mit Herz und Pathos angedickt,

Nun fleißig rühren, unentwegt,

Bis sich kein Widerstand mehr regt,

In eine Form die Masse geben

Und in den warmen Ofen schieben.

Derweil die Phrasen gründlich wässern,

Weil, Phrasen – Obacht! -, die verbessern.

Noch klüger ist es, klein zu schneiden,

Der Worte Sinn, sie auszuweiden,

Bis sich ein jegliches verfügt,

An seinem Platz dem Satz genügt.

 

Danach kommt Schmonzes obendrauf,

Auch Sentiment - und das zuhauf!

Ein Löffelchen vom Puderzucker

Macht jedes Backwerk umso schmucker!

Und nun streu flugs auf das Geprotze

Den Lerchenkot, die Moppelkotze,

Damit ’s dem Kritikus wohl mundet

Und er‘s mit höchstem Lob bekundet!

 

Hurra, das ist ein Hochgenuss,

Ein Meisterwerk aus feinstem Guss!

Ganz popelfett und ferkelfarben

Klingt’s heiligschön und dumpf erhaben.

Drum, lieber Leser, bitte sehr,

Liegt es im Magen noch so schwer,

Ich will bei Gott Apollo schwören, 

Selbst falscher Hase kann betören!

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